Bauerfrauen und Frauenpower - Auszeit in Kärnten kann auch anders

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Ich erwache früh in einem Bergbauernhof auf knapp 1000 Höhenmetern über Afritz in Kärnten und werde mit einer atemberaubenden Aussicht beschenkt. Im Osten geht gerade die Sonne orangerot über den sanften Ausläufern der Nockberge auf und im Süden heben sich die Karawanken mit ihrem scharfen Höhenprofil vor dem Horizont ab. In den folgenden zwei Tagen werde ich außergewöhnliche Frauen treffen, die ihren persönlichen Traum verwirklicht haben.

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Burgi Eder ist meine Gastgeberin. Eine Kärntner Bergbäuerin, die ich im Green Care Lehrgang kennengelernt habe. Eine von vielen Bäuerinnen in Österreich, die ihren Hof zum Auszeithof zertifizieren lassen wollen.

Randnotiz: Green Care ist eine Möglichkeit für Landwirt: innen, ihre bäuerlichen Ressourcen und ihren Hof, verbunden mit einem Konzept für gesundheitsfördernde Maßnahmen, der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen.

Burgi hält Mutterkühe, die den Sommer über auf der Alm sind. Sie hat 4 Kinder, ihr Mann ist Malermeister. Die Landwirtschaft ist ein schmuckes Anwesen mit Gästezimmer. Sie möchte den Hof zum Green Care Auszeithof zertifizieren lassen. Nach meiner Anreise am Vortag bin ich um den Hof spaziert und habe mich von der grandiosen Aussicht in Bann ziehen lassen. Weitblick fördert Durchblick, ist mir spontan in den Sinn gekommen. Die äußere Landschaft kommt mit der inneren Landschaft in Resonanz und fördert das kreative Potenzial. Es braucht wenig, vielleicht ein paar Farbstifte und ein Zeichenblock oder, wie in meinem Fall, Stift und Notizbuch. "Zulassen, sein lassen, loslassen", so Burgis Credo. Wohltuende Gespräche mit der Gastgeberin am Abend, verständnisvolle Fragen und kluge Interpretationen sind Balsam für die gestresste Seele.

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GEH-spräche

Ich wurde eingeladen, eine Wanderung inhaltlich zu begleiten. GEH-spräche werden die Frauen, unter meiner thematischen Anweisung führen. Um 9 Uhr treffen sechs fröhliche junge Frauen ein und zur Begrüßung, was sonst, gibt es ein Glas Prosecco. Vor dem Losgehen wird die Wanderung mit einer meditativen Achtsamkeitsübung eingestimmt. Der Weg als Symbol für den Lebensweg, das Motto des Tages. Im Gehen kommen Körper und Geist in Bewegung und allen tut es gut, den eigenen Lebensweg, die Höhen und Tiefen zu reflektieren. Vor allem zu erkennen, wie einzigartig und wertvoll die persönliche Biografie ist.

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Die Bergkirche zu Oberwöllan

Burgi hat eine besondere Wanderung für uns ausgewählt. Auf 1200 m, am Fuße des Wöllaner Nock gelegen, zählt die Oberwöllaner Bergkirche zu den kunsthistorisch wertvollsten Höhenkirchen Kärntens. Bis in jüngster Vergangenheit barg sie den spätgotischen Flügelaltar, der aus Sicherheitsgründen nun im Diözesanmuseum in Klagenfurt zu besichtigen ist.  Nach einer kleinen Andacht in der Kirche geht es weiter zu einer Berghütte, wo uns die Wirtin mit hausgemachten Kärntner Kasnudeln bereits erwartet. Eine meiner Lieblingsspeisen und ich behaupte, noch nie zuvor bessere gegessen zu haben. „Wer net krendeln kann, der kriegt kann Mann“ werde ich aufgeklärt.

Randnotiz: Krendeln nennt man den geriffelten Rand nach dem Einschlagen der Nudeln.

Bevor ich am nächsten Morgen abfahre, bekomme ich von Burgi noch einen Blitz-Kochkurs für das Zubereiten von Kasnudeln. Ob ich das Krendeln hinbekomme, wird sich noch herausstellen.

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Im Tal erwartet mich Monja Mayer, die Kräuterexpertin. Auch ihre Geschichte ist erzählenswert. Viele Jahre war sie Gastwirtin, nachdem sie den elterlichen Hof übernommen hatte. So wie viele Frauen in meiner Generation erfüllte auch sie pflichtbewusst die Erwartungen und übernahm das Wirtshaus. Viel Arbeit, kaum Zeit für die Familie, erfüllte sich Monja Jahre später ihren eigenen Lebenstraum und ließ sich zur Kräuterspezialistin ausbilden. Das Wirtshaus wurde zu einem Appartmenthaus umgebaut und in den ehemaligen Gasträumen ist nun die Kräuterproduktion und ein Kräuterladen untergebracht. Monja führt mich durch ihren Garten und erklärt mir ihre Schätze. Sie stellt liebevoll Tinkturen, Tees, Cremen und vieles andere aus ihrem Kräutergarten her. Bepackt mit ihren Erzeugnissen breche ich von diesem kleinen Paradies auf, denn es erwartet mich an diesem Tag noch ein weiteres Highlight.

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„In da Mölltal Leitn“...

... singe ich, während ich durch das Mölltal zu Sylvia Granitzer fahre. Sie hat mich auf ein besonderes Event eingeladen. Coaching mit Tieren. Ihr Bruggnerhof ist zertifizierter Green Care Auszeithof. Von der Milch ihrer drei Jerseykühe stellt Sylvia Milchprodukte und Käse her. Überdies bietet Sylvia, die zertifizierte Businesscoachin Einzel-, Team und Führungscoachings mit ihren Kühen, Pferden und Hunden an. Dieses Konzept hat sie einst im Green Care Lehrgang vorgestellt und es ist vollinhaltlich aufgegangen. Sylvia hat mit ihrer Coachingmethode in Kärnten inzwischen gewisse Berühmtheit erlangt. Die Alpenmentorin führt nebenher auch Wandertouren.

Mir möchte sie heute ihre Coachingmethode vorstellen. Die Pferde stehen bereit und ich suche mir Couscous einen Wallach dafür aus. Habe ich schon erwähnt, dass ich Angst vor Pferden habe? Ein Coachingziel wird vereinbart und dann geht es los. Nach einer Stunde bin ich gescheiter und demütiger.  

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Vom Tier-zum-Wir

heißt die Methode und Couscous bringt bald meine „blinden Flecken“ gnadenlos zum Vorschein. Mein Mangel an Vertrauen, mein eigenes gedankliches "davon Galoppieren" und meine Ungeduld.  Nur mühsam und mithilfe des Pferdes, komme ich in eine innere Ruhe, ins Vertrauen und in Harmonie mit dem Pferd. Schließlich erreichen wir das äußere Ziel, aber anders, als ich geplant hatte. Eine großartige Erfahrung, die ich gut in meinen Berufsalltag übertragen kann. Mit Sylvia wird der Prozess reflektiert. Wirklich eine feine Sache, dieses tiergestützte Coaching.

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Das höchste Weingut Kärntens

Nach dem Mittagessen mit Sylvia, natürlich Kasnudeln, steht ein Besuch bei der GrafenBERGERin auf meiner Liste. Ernestine Berger hat sich 2012 mit 57 Jahren entschieden, einen Weinberg anzulegen. Natürlich musste auch sie sich mit Zweiflern und kritischen Besserwissern herumschlagen. Ein Weinberg auf Seehöhe von 880 m? Die frisch gebackene Winzerin erkannte die klimatisch günstige Kessellage, die den scharfen Tauernwind abhält. Das Schiefergestein und eine geringe Humusauflage bilden einen ganz besonderen Wärmespeicher. Inzwischen gehört Ernestine zum Geheimtipp unter Weinliebhaber: innen und hat bereits erste Preise mit ihren Weinen abgeräumt. Als Besonderheit bietet sie geführte Weingartenwanderungen an, die von Sylvia Granitzer begleitet werden.

Voll der Eindrücke und erfüllt von kraftvoller weibliche Energie dieser Kärntner Frauen, mache ich mich auf den Weg zurück in die Steiermark.

Wertvolle Informationen

  • Urlaub am Bauernhof | Burgi Eder Verditzer Straße 22, 9542 Afritz am See. Telefonnummer: +43 664 91 881 196

 

 

 

 

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Über die Autorin
Ingeborg Berta Hofbauer ist eine begeisterte Reisende und Entdeckerin von neuen Orten und ihren Menschen. Deren Geschichten dahinter faszinieren sie und inspirieren sie zu ihren Büchern und Blogs. Sie reist vorwiegend mit ihrem Camper und der Bahn und verzichtet weitgehend auf Flugreisen.

Ingeborg B. Hofbauer

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