Pilgern auf dem Papst-Franziskus-Weg

Der „Papst Franziskus Weg“, von Mariatrost nach Weizberg, ist ein neu geschaffener Pilgerweg, der dem Pontifikat Papst Franziskus‘ gewidmet ist. Die sieben Stationen stellen den Papst als „Provokateur, Reformer, Mystiker, Bewahrer der Schöpfung und Revolutionär des Glücks" dar. (Berger)
Doch darf dabei nicht der Namenspatron des Papstes, Franz von Assisi, übersehen werden. Die Namensverkündung bei seinem Amtsantritt, kommunizierte sein Programm und eine deutliche Botschaft an die Welt. Dieser Blog ist eine Hommage an das Wirken des „Kleinen Armen“ aus Umbrien im 13. Jahrhundert. Franz von Assisi, der „Poverello“.

Wer war Franz von Assisi?

Die Biografie über Franz von Assisi wurde von seinen Weggefährten gesammelt und von seinem ersten Biografen, Thomas von Celano, niedergeschrieben. Man nimmt an, dass Klara von Assisi diese in Auftrag gab. Die biografischen Aufzeichnungen von T v. C erregten immer wieder Flügelkämpfe innerhalb des Ordens: Wer hat die wahrere Wahrheit der evangelischen Lebensform sozusagen. 1260, 34 Jahre nach Franziskus‘ Tod, wurde der Generalminister Bonaventura mit der offiziellen Biografie beauftragt, welche das Bild von Franziskus über die Jahrhunderte prägte. Diese Biografie vermisst aber wesentliche Elemente, die bewusst weggelassen wurden, da diese nicht in das Konzept der damaligen Kirche passten. So zum Beispiel der absolute Verzicht auf jegliches Eigentum und die kompromisslose Befolgung der Bergpredigt.

Kaum bekannt ist ein unglaublicher Akt von Bücherverbrennung, der mit dieser Neuverfassung durch Bonaventura einherging. Erst im 18. Jahrhundert tauchten einige dieser ursprünglichen Aufzeichnungen von T.v.C. wieder auf, da glücklicherweise manche Klöster der Aufforderung des Vatikans nicht Folge leisteten.

Somit konnten das Leben und Wirken des Franz von Assisi neu aufgerollt und niedergeschrieben werden. Die christliche Welt war plötzlich mit einem Mann konfrontiert, der nicht nur Rebell, sondern auch Umweltaktivist und Botschafter für eine lebenswerte Welt der Zukunft war.

Franz von Assisi, der sich mit der „Armut vermählte", jeglichen Besitz ablehnte, das Berühren von Geld verabscheute und die gesamte Schöpfung zu seiner Mutter und seinen Geschwistern machte. Kein angenehmer Prophet, aber ein wichtiger!

Aufbruch

Wir sind eine kleine Gruppe von 5 Pilgern und brechen am 27. Mai 2020 auf. Zunächst geht es ab Weiz mit dem öffentlichen Bus nach Mariatrost. Der Besuch und eine kurze persönliche Besinnungszeit in der Basilika, stimmen uns auf den Tag ein. Der Sonnengesang ist unser spiritueller Wegbegleiter.

Der Sonnengesang zählt aufgrund seiner dichterischen Gestalt und seines Inhalts zur Weltliteratur. Er entstand in altitalienischer Sprache im Winter 1224/25, als Franziskus krank in einer Hütte bei San Damiano lag. Spätere Quellen berichten, dass die beiden letzten Strophen erst später von Franziskus hinzugefügt wurden. Die letzte Strophe, angesichts seines Todes.

Der Sonnengesang

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

Eckdaten zu Franz von Assisi

  • 1182: Geboren als Giovanni di Pietro di Bernardone um den 21. Juni. Giovanni nannte ihn seine Mutter, nach Johannes dem Täufer. Sein Vater, der alles Französische schätzte, änderte seinen Namen auf "Francesco". (Den kleinen Franzosen). 
  • 1206: Mystisches Erlebnis in San Damiano. Das Kreuz sprach zu ihm. „Bau meine Kirche wieder auf.“
  • 1209: Predigterlaubnis durch Papst Innozenz III. Bettelorden, wie die Kartharer und Waldenser wurden damals von der Kirche gnadenlos verfolgt. Die Franziskaner gelobten Vatikantreue und standen so unter dessen Schutz. Ein genialer Schachzug von Franziskus.
  • 1210: Klara Offreducio, eine Adelstochter floh zu ihm. Er half ihr, einen eigenständigen Orden in San Damiano zu gründen. Sie und Franziskus waren ein Leben lang in geschwisterlicher Liebe verbunden. (Franz war wesentlich älter als Klara, eine Liebesgeschichte ist auszuschließen)
  • 1223: Erste Krippendarstellung mit lebendigen Figuren in Greccio. Franziskus ist somit der Erfinder der Weihnachtskrippe.
  • 1224 empfing Franziskus auf La Verna die Stigmata, die er bis zu seinem Tod vor seinen Brüdern verborgen hielt. 
  • 1226 Am 3. Oktober stirbt der Heilige in der Portiuncula
  • 1228 Am 16. Juli wird Franziskus von Papst Gregor IX. heiliggesprochen
Index

Das TAU

Ein Zeichen, das Franz von Assisi besonders geliebt hat. Im hebräischen Alphabet ist das Tau der letzte Buchstabe und hat somit den Charakter des Endgültigen. Es ist ein Erkennungszeichen für „die von Gott Geliebten“ und ein Segenszeichen. Franziskus setzte es unter Briefe und malte es an Wände.

Franziskus und seine ersten Mitbrüder holten sich ihren Sendungsauftrag aus der Bibel und lebten wortgetreu danach. Wobei folgende drei Verse die Grundlage bildeten:

 

Wenn du vollkommen sein willst, geh und verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen, dann komm mit mir. (Matth.Evang.) Nehmt nichts auf den Weg weder Stab noch Tasche noch Brot oder Geld (Lk. Evang.) Verzichtet auf eigene Wünsche und folgt mir (Matth. Evang)

 

Franziskus der Friedensstifter

Beachtenswert ist eine mutige Expedition 1219 nach Ägypten, wo sich der neueste Kreuzzug direkt gegen Sultan al-kamil Muhammad al-Maili anbahnte. Franziskus versuchte seine  kampfbegierigen Glaubensgenossen an das Evangelium zu erinnern und von diesem Kreuzzug abzubringen. Er machte sich zum Sultan auf, um für Christen den freien Zugang zu den heiligen Stätten des Christentums zu erwirken. Dabei wird er gefangen genommen und dem Sultan vorgeführt. Dass er überhaupt lebend dort ankam, ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass sein äußeres Erscheinungsbild jener der Sufis (islamische Mystiker) ähnelte. Gefährten von Franziskus berichteten, dass der Sultan „berührt“ von der Armut und Losgelöstheit dieses „Christlichen Heiligen“, wie er ihn nannte, war. Arabische Quellen bestätigen den außergewöhnlichen Charakter dieser Begegnung. Es handelte sich um eine Friedensmission mit dem Ziel, allen friedfertigen Gläubigen den freien Zugang nach Jerusalem zu gewähren. Der Sultan gewährte dies und der Kreuzzug hätte dadurch seine Berechtigung verloren. Doch Franziskus' Mission war erfolglos, denn die Kreuzfahrer zogen einen blutrünstigen Kampf vor, was vor allem der Gier nach Gütern gezollt war und weniger dem Schutz der heiligen Stätten.

Franz von Assisi und was er uns zu sagen hat

Mitgefühl und Schutz für alles Leben: Alle Geschöpfe, die Natur. Verantwortung und soziale Verpflichtung gegenüber den Armen und Kranken. Der kritische Blick auf die geistigen Gefahren des Materialismus. Dialog und Frieden zwischen den Religionen. Das Verbindende vor das Trennende zu stellen. Mutig der eigenen Bestimmung und Träumen zu folgen. Zivilcourage zeigen. Auf Armut hinschauen. Auch auf die geistliche Armut. Mit Freude erkennen, was man nicht braucht und damit frei werden. Das ist wahrer Reichtum.

Auf die Frage eines Bischofs, warum er jeglichen Besitz ablehnt, antwortete Franz von Assisi: „Wenn man Besitz hat, braucht man Waffen, um diesen zu verteidigen."

Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika "Laudate Si" diese Themen aufgenommen und zu seiner Botschaft an die Welt gemacht.

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Auf dem Weg

Der Papst-Franziskus-Weg ist hervorragend ausgeschildert und lässt ein entspanntes Dahinschreiten zu. Die Sattheit des zu Ende gehenden Mais und herannahenden Junis, versetzt uns Pilger immer wieder in Entzücken. „..Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter..“. Im Gehen fallen mir Passagen aus dem Sonnengesang ein und ich erkenne dankbar die Wunder der Natur. Die kurzen Abschnitte auf Asphaltstraßen stören nicht. Im Gegenteil, denn daran erkennt man auch den Unterschied zwischen einem Pilgerweg und einem Wanderweg: Ein Pilgerweg, der immer ein spirituelles Ziel hat, führt über Wege, die nicht immer nur durch unberührte Natur führen. So wandert ein Pilger auf Wegen, die durch Ortschaften, Städte und eben auch an Asphaltstraßen entlang führen. Der Pilgerweg, als Metapher für den Lebensweg, ist vor allem ein innerer Weg, während ein Wanderweg einem äußeren Weg folgt. Pilger, im Lateinischen Peregrinus, bedeutet Fremder in der Fremde.

Dem Fremden in einem selbst und dem Fremden auf dem Weg und damit Gott begegnen. Das ist die Aufforderung beim Pilgern.

Bruder Baum und Schwester Wasser

In Kumberg haben wir die Hälfte des Weges geschafft. Das "Cafe‘ am Platz" ist geöffnet und bietet Pizza, Burger, Kuchen, sowie andere Stärkungen und Erfrischungen. Ein ganz besonderes Naturheiligtum ist die, unter Denkmalschutz gestellte, Linde. Bruder Baum, der sogar Menschen in sein Inneres aufnimmt. Über 600 Jahre soll sie sein.

Über sanfte Wiesen und Felder, wandern wir in tiefsinnigen Gesprächen und auch im Schweigen und erreichen so die kleine Raabtalklamm. Entlang von Schwester Wasser, erblicken wir kurz vor dem Ziel die Kirchtürme der Basilika am Weizberg. Nach einem kräftigen Pilgermenü' und dem Abschluss-Segen, gehen meine Mitpilgerinnen Irmgard, Traude und Gitti und mein Mitpilger Johannes ihren ganz persönlichen Weg weiter.

Ein Pilgerweg, gegangen in Achtsamkeit und innerer Betrachtung, prägt sich ein und wirkt noch lange nach.

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Buchtipps:

  • Niklaus Kuster: Franzsiskus Rebell und Heiliger
  • Niklaus Kuster: Franz und Klara von Assisi. Eine Doppelbiografie
  • Hermann Hesse: Franz von Assisi
  • Kammerer | Krippendorff | Narr: Franz von Assisi.Zeitgenosse für eine andere Politik
  • Franz von Assisi: Fioretti Gebete.Ordensregeln.Testament.Briefe
  • Papst Franziskus: Laudate si
  • Ingeborg Berta Hofbauer: "Heute breche ich auf. Der persönliche Begleiter auf deinem Pilgerweg.

Unterwegssein mit allen Sinnen: Der Weg zu mir

 

Fotos: Irmgard Eichberger und Ingeborg Berta Hofbauer

Über die Autorin
Ingeborg Berta Hofbauer ist eine begeisterte Reisende und Entdeckerin von neuen Orten und ihren Menschen. Deren Geschichten dahinter faszinieren sie und inspirieren sie zu ihren Büchern und Blogs. Sie reist vorwiegend mit ihrem Camper und der Bahn und verzichtet weitgehend auf Flugreisen.

Ingeborg B. Hofbauer

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