Genusswandern in der Oststeiermark

Beim Durchsehen meiner Wanderaufzeichnungen der letzten zwanzig Jahre stelle ich fest, dass da ganz schön was zusammengekommen ist. Ich wage zu behaupten, dass ich die meisten Höhenrücken, Flußtäler, die alten Pfade zwischen den alten Bauernhöfen, wie auch Wander- und Pilgerwege in meiner Heimat, unter meine Sohlen gebracht habe. Genusswandern in der Oststeiermark ist aber auch ein kulinarischer Genuss und hat auch kulturell einiges zu bieten. Eine Region, die zum Pilgern und Wandern einlädt.

Nur wo du zu Fuß´warst, bist du wirklich gewesen.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Seit meinem vierzigsten Lebensjahr wandere ich. Am liebsten allein, am liebsten Wege abseits der Trampelpfade. Nachdem ich mich 2007 in das Pilgern verliebte und den Camino Frances‘ in Spanien pilgerte, ist für mich der Weg zum Symbol für das Unterwegssein im Leben geworden.

Der Weg ist eine menschliche Grundsituation und ein Ursymbol

Gehen über Stunden macht etwas mit uns. Der Rhytmus des Gehens ist im Einklang mit dem Herzrhytmus. Der Geist wird ruhig und klar, düstere Gedanken fallen ab. Ich tauche im Gehen vollkommen ein in die Schöpfung um mich herum. Das Gehen hat mich auch Achtsamkeit gelehrt, gelehrt zu schauen und zu staunen. Im Gehen fallen alle Sorgen des Alltags ab und Ängste relativieren sich meist. Gehen ist Beten mit den Füßen.

Vor allem das Gehen allein macht diese Erfahrungen möglich. Bin ich zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs, steht die Beziehung zu meinen Wegbegleitern im Vordergrund. Die Eindrücke und Freude werden unmittelbar geteilt. Auch das ist schön.

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Genusswandern im Apfelland

Erwarte von mir keine genauen Streckenbeschreibungen. Die Wanderwege sind zum Großteil gut markiert. Es sei denn, eine Abzweigung führt zu einer sehenswerten Besonderheit. Vielmehr möchte ich von Eindrücken, Beobachtungen, Gedanken während des Gehens und Begegnungen mit Menschen und deren Geschichten, aber auch über Historisches, Kulturelles und nicht zu vergessen von kulinarischen Highlights berichten.

Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.

Mit diesem Zitat der Heiligen Teresa von Avila beginnt diese erste Genusswanderung im Apfelland. Der Anfang dieser kleinen aber feinen Pilgerwanderung ist das Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein.

Der Ort St. Johann bei Herberstein bietet viele Freizeitmöglichkeiten. Ein Radweg führt hier durch und auf diesem erreicht man auch zu Fuß den Tierparkt Herberstein und das romantische Schloss Herberstein. Kulinarisch überrascht der Landgasthof Riegerbauer und auch die Buschenschenken in der Nähe verdienen einen Besuch. Ganz besonders ist dabei das Weingut Lang zu erwähnen, das mit einem „Frühstück im Weinberg“ und preisgekrönten Weinen seine Gäste überrascht.  Im Ort St. Johann befindet sich ein Gemischtwarengeschäft, das an „Tante Emmas Laden“ erinnert. Gleich daneben ist „Herrn Rodlers Kaffehaus“. Hipp und urgemütlich, mit ausgewählten Teespezialitäten und hausgemachtem Kuchen.

Das Haus der Frauen ist Kloster und Bildungshaus. Ein Ort der Begegnung, der Einkehr, der Spiritualität und des Wohlfühlens mit sehr ansprechendem Programm. Die Räumlichkeiten und die Zimmer sind neu renoviert und sehr geschmackvoll eingerichtet. Das Gebäude steht auf einer Anhöhe. Der Nordhang ist dicht bewaldet und fällt steil zur Feistritz hinab. Alle anderen Himmelsrichtungen eröffnen den Blick auf Wiesen, Wälder und Weingärten.

Aufbruch

Die Wanderung beginnt direkt bei der Kirche. Die Kirche St. Johann, ist Johannes dem Täufer geweiht. Sie wurde bereits 1170 urkundlich erwähnt. 1652 kam es hier zur Gründung eines Augustiner-Eremiten Klosters. Abraham a Sancta Clara hat hier gelebt, bevor er Hofprediger in Wien wurde. Der Neubau der Kirche, neben dem Kloster erfolgte ab 1655 nach einem Entwurf des Architekten Anton Solar und des Baumeisters Michael Arhan. In der Kirche befindet sich eine Loretto Kapelle mit der Schwarzen Madonna. Ein guter Ort, um sich auf die Pilgerwanderung einzustimmen.

Ich gehe rechts an der Kirche vorbei und steige durch den Torbogen hinunter, wo ich dem Pfad durch den Wald und über eine Wiese bis ins Tal folge. Ich überquere die Brücke und die Hauptstraße und gehe auf dem Gehsteig rechts weiter bis zum Wegweiser, der links nach Fieberbründl verweist.

Ich folge der rot-weißen Markierung und den Wegweisern. Manchmal ist der Weg schlecht markiert, das heißt die Augen offen halten. Die Landschaft nach Maria Fieberbründl ist geprägt durch Ackerbau und Streuobstwiesen. Sanft hügelig wechseln sich Wald- und Wiesenwege ab.

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Ich komme zur Holzbücke, über die man in den Heiligen Bezirk um Kirche und Quelle gelangt. Dieser Übergang lässt mich einen bevorstehenden Übergang in meinem Leben reflektieren. Welche Träume konnte ich mir erfüllen? Welche werde ich in diesem Leben nicht mehr erfüllen können? Gibt es neue Träume? Mit diesen Fragen überquere ich die Brücke und strebe der Kirche zu, deren schlanker Kirchturm mich bereits durch das üppige Grün begrüßt. Viele Wunder bezeugen die Votivgaben, die um die Quelle und der Marienstatue angebracht sind. Das Wasser hat eine hohe Trinkqualität und wird gerne von den Einheimischen inTrinkflaschen abgefüllt und mitgenommen.

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Das helle, einladende Gebetshaus mit der schönen Holzdecke ist wahrlich ein Ort der inneren Einkehr. Der Ort Fieberbründl selbst ist nicht sehr groß. Es hat eine Gastwirtschaft, aber sonst ist es hier relativ ruhig. An Wochenenden ist der Andrang größer aber während der Woche, ist man auch durchaus allein im Gebetshaus oder bei der Quelle. Man geht denselben Weg wieder zurück nach St. Johann.

Wegdaten: Hin- und zurück ca. 8 km. Leichte Wanderungen, kurze Steigungen, wenig Höhenmeter. 

Buchtipp für ein achtsames Unterwegssein

Zu den Büchern der Autorin

 

Über die Autorin
Ingeborg Berta Hofbauer ist eine begeisterte Reisende und Entdeckerin von neuen Orten und ihren Menschen. Deren Geschichten dahinter faszinieren sie und inspirieren sie zu ihren Büchern und Blogs. Sie reist vorwiegend mit ihrem Camper und der Bahn und verzichtet weitgehend auf Flugreisen.

Ingeborg B. Hofbauer

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