Starke Wurzeln, fester Halt. Warum Biografiearbeit unser Leben bereichern kann

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"Wurzellosigkeit ist eine der Ursachen für Depressionen" (Anselm Grün). Wer starke Wurzeln hat, dem können starke Flügel wachsen. Biografiearbeit ist ein sanfter, ressourcenorientierter Weg, der eigenen Lebensspur zu folgen. Das Erforschen der eigenen Wurzeln, lässt uns das Heute verstehen und die Zukunft gestalten.

Unsere Kindheit, die Herkunftsfamilie und auch die Landschaft, in der wir aufgewachsen sind, ebenso das soziale Umfeld, selbst die Ahninnen und Ahnen, gehören dazu: Zu unseren Wurzeln.

Unsere Denk- und Glaubensmuster wurden in der frühesten Kindheit geprägt und wir haben den Rest unseres Lebens Zeit, sie zu entdecken, zu erforschen, wenn nötig loszulassen oder/und in "erwachsene" Programme umzuwandeln. "Sich lernend verwandeln". Dieser schlichte Satz von Andre' Heller, bringt diese komplexe Thematik auf den Punkt. Es gibt viele Wege, sich lernend zu verwandeln. Einer davon ist die Biografiearbeit.

Als Tochter eines Zimmermeisters wuchs ich sozusagen mit Holz auf. Ich begleitete meinen Vater oft in den Wald. Ob zum Holzeinkauf oder zur Jagd. Das Wissen über den Wald, die Bäume und das Leben darin, ist mir zum wichtigen Schatz geworden.

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"Lange tat ich wie es Brauch war. Bis ich aus dem Kreise sprang. Jauchzend flog ich in die Welt, um voll Sehnsucht zurückzukehren in den Wald." (Peter Rosegger)

Dieses Zitat ist für mich mehr als romantische Poesie. Dahinter verbirgt sich große Weisheit. Der Brauch steht für alte Denkmuster, Traditionen, Glaubenssätze und festgefahrene Verhaltensmuster. Wenn wir es schaffen, unseren Kreis, anders ausgedrückt, unsere Komfortzone zu überspringen und den Mut haben, auf diesen "Brauch" hinzuschauen, loszulassen und wenn nötig umzuwandeln, können uns starke Flügel wachsen und die Welt steht in all ihrer Vielfalt offen. Zurückzukehren in den Wald heißt auch, sich ausgesöhnt zu haben mit der Vergangenheit und mit unseren Wurzeln. Ich bin überzeugt, dass es nicht funktioniert, sich seiner Wurzeln zu entledigen und, wie manche Menschen es tun, sie zu verleugnen.

Wurzellosigkeit macht uns zu Entwurzelten. Die Gefahr von den Stürmen der Welt hinweggefegt zu werden, ist damit sehr hoch.

Als leidenschaftliche Wanderin und Pilgerin, bin ich viel in Wäldern unterwegs. Meist allein. Das Phänomen Wald fasziniert mich immer wieder aufs Neue und jeder Aufenthalt im Wald ist für mich ein Abenteuer und eine Entdeckungsreise. Auch wenn ich glaube, den Wald in meiner Umgebung, wie meine Westentasche zu kennen, erlebe ich immer wieder Überraschungen. Der Wald ist ein zusammenhängendes Ökosystem. Alles ist mit allem verbunden.

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Der Wald ist Vorbild für Beziehung und Fürsorge

Unter dem Waldboden breiten sich fadenartige Systeme aus, die Mycelien genannt werden und die weit entfernte Bäume miteinander vernetzen. Wissenschaftler haben dieses Netzwerk "Wood Wide Web" oder „Das natürliche Internet der Erde“ getauft (letzterer Begriff stammt vom Pilzexperten Paul Stamets). Über dieses Netzwerk tauschen sich die Bäume aus. Bäume senden Informationen aus, wenn Gefahr droht oder wenn ein Bäum zu wenig Wasser hat. Er schreit sozusagen um Hilfe. Die Bäume um ihn lassen ihn nicht im Stich, sondern reduzieren ihre eigene Wasseraufnahme, damit sich der Baum erholen kann. So und nicht anders konnte der Wald, seit Anbeginn der Zeiten überleben.

Stirbt der Wald, dann stirbt der Mensch. Stirbt der Mensch zuerst, überlebt der Wald.

In der Biografiearbeit wird der Baum als Metapher für unseren Lebensbaum verwendet. Das Symbol "Baum" ist ein archetypisches Symbol und in den Mythologien vieler Völker spricht man vom Weltenbaum. Dessen Wurzeln tief in die Unterwelt ragen, während die Krone in den Himmel wächst. Der Stamm symbolisiert das irdische Leben. In der nordischen Mythologie der alten Germanen, wurde dieser Weltenbaum Yggdrasil genannt. In der Bibel ist der Baum der Erkenntnis das Symbol für eine nachhaltige Entscheidung.

Jene Entscheidung Eva's, sich dem Leben mit allen Höhen und Tiefen zuzuwenden und das paradiesische, unbewusste Dasein zu verlassen. So meine Interpretation der Geschichte vom sogenannten "Sündenfall". Buddha erlangte seine Erleuchtung unter einem Bodhibaum.  

Diese Mythen sind archetypisch und tief in uns verankert. Joseph Campbell, der amerikanische Mythenforscher, hat die "Heldenreise" daraus abgeleitet. Die Heldenreise wird auch als Methode in der Biografiearbeit eingesetzt.

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Biografiearbeit & Wandern

Ein besonders schöner Zugang - den Weg zu sich zu gehen - ist das biografische Arbeiten, in Verbindung mit Unterwegssein in der Natur. Das, was über das kreative Gestalten im Seminarraum entstanden ist, wird in der Natur, über das Finden von Symbolen verankert. Achtsames Gehen, Wahrnehmungsübungen, geführte Dialoge und Baummeditationen helfen, sich gefühlsmäßig zu verbinden: Mit den Wurzeln, dem Stamm und der Krone der eigenen Lebensgeschichte.

Die Krone steht für eine selbstbestimmt gestaltete Zukunft, für Sinn und Spiritualität.

Die Sinnsuche beginnt meist in der Lebensmitte

In meiner Arbeit als "Lebens-Reiseleiterin", begleite ich Menschen in Veränderungs- und Orientierungsphasen. Diese beginnt in den meisten Fällen in der Lebensmitte. Vieles wurde erreicht, man ist finanziell abgesichert, hat einen gewissen Wohlstand und doch fehlt etwas. Im Volksmund spricht man von der "Midlife-crisis". Ich bin überzeugt, dass diese Krise der Beginn einer Depression, aufgrund eines Sinnverlustes ist. Viktor E. Frankl, der Begründer der Logotherapie, stellte die essentielle Frage: "Wofür lebe ich?"

"Wofür lebe ich?" ist eine Kernfrage in der Biografiearbeit. Jedes menschliche Leben hat einen Sinn. Den zu finden, kann biografisches Arbeiten unterstützen.

Zäsuren, wie Krankheiten, Trennungen, Jobverlust und andere Umbrüche, gehören zu den Wendezeiten im Leben und können einen Menschen vor die Frage stellen: "Wozu lebe ich.?" Dieses "Wozu" in ein "Wofür" umzuwandeln, ist unsere Aufgabe im Leben.

Jahresringe

Wachsen und Werden

Betrachtet man die Jahresringe eines Baumes genauer, kann man seine Lebensgeschichte lesen. Am Anfang sind die Ringe weiter auseinander, da schiebt der Baum so richtig an. Da ist er in seiner vollen Kraft. Je älter der Baum wird, desto enger werden die Ringe. Man sieht auch, wenn er im Stress war, durch Trockenheit oder andere Belastungen. Solange die Wurzeln gut genährt sind, ist Wachstum die Folge.

Auch aus einem gefällten Baum, kann ein Reis entspringen (Anselm Grün)

Unser menschliches Dasein ist vergleichbar mit dem eines Baumes. In den ersten Jahrzehnten wachsen und entfalten wir uns. Machen Karriere, gründen eine Familie, erleben Hoch's und Tief's. In der dritten Lebenshälfte stagniert das körperliche Wachstum. Erste Beschwerden tauchen auf, Beeinträchtigungen, vielleicht Behinderungen, Krankheiten und Schwächen. Doch die Gehirnforschung hat inzwischen bewiesen, dass ein gesundes Gehirn, sich bis ins hohe Alter entwickeln und hochaktiv sein kann. Auch wenn der Körper schwach wird, der Geist wächst und wir können bis zum Ende lernen und Weisheit erlangen. 

Das ist doch ein schöner Gründ, WOFÜR ES SICH ZU LEBEN lohnt.

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Über die Autorin:
"Mit Rucksackgeschichten mutig aufbrechen und zur inneren Freiheit pilgern."Ingeborg Berta Hofbauer

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