Wendezeiten in der Wirtschaft fordern die Resilienzfähigkeit

20190928 155955 Markusflicker

Klimawandel ist in aller Munde und Wendezeiten in den Unternehmen zeichnen sich deutlich ab. Wie resilient sind die Beschäftigten in den Unternehmen und wie können sie mit den Herausforderungen umgehen? Wie krisenfit ein Unternehmen ist, hängt stark von der Resilienz der Beschäftigten ab. Diese ist in der Biografie des Einzelnen zu finden. Unternehmen brauchen alle Ressourcen, um zukunftsfit zu sein.

Worin besteht Resilienz?

Abgeleitet aus dem Lateinischen bedeutet es soviel wie "zurückspringen" oder "abprallen". Bevor dieser Begriff in Zusammenhang mit dem Individuum gebracht wurde, nutzte ihn die Materialkunde. Ein Stoff springt nach Verformung oder nach dem Zusammenpressen wieder in den Urzustand zurück. In der menschlichen Psyche bedeutet das, dass ein Mensch nach elementaren Krisen relativ rasch wieder in den Normalzustand zurückkehren kann. Diese Fähigkeit hängt unmittelbar mit der Biografie des Einzelnen zusammen. In welche Umgebung ein Mensch hineingeboren wurde, welchen Einflüssen er ausgesetzt war und wie er sich entwickeln konnte.

Unsere Welt befindet sich im Wandel. Davon sind wir alle betroffen, vor allem jene, die dem Druck, Stress und den permanenten Veränderungsprozessen am meisten ausgesetzt sind. Die Menschen in Unternehmen und Organisationen.

 

Der beschäftigte Mensch in den meisten Unternehmen, wird, ähnlich wie die Umwelt, verbraucht und nicht als nachhaltig zu fördernde Ressource behandelt. Was ausgedient hat, wird entsorgt. Der alarmierende Anstieg an psychischen Erkrankungen von Beschäftigten, kann nicht mehr ignoriert werden.

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Was sind die wichtigsten Resilienz Faktoren?

Forscherinnen und Forscher unterscheiden zwischen Merkmalen der Persönlichkeit, des Elternhauses und der externen Umwelt.

Menschen, die aufgrund Ihrer Persönlichkeit bei anderen Menschen positive Resonanz erwirken, haben statistisch gesehen eine höhere Resilienzfähigkeit. Diese Fähigkeit hat mit der Entwicklung des Menschen, von Kindesbeinen an, zu tun. Introvertierte, schüchterne, ängstliche und vorsichtige Menschen sind den Forschungen nach, nicht so resilient. Auch wenn sie fachlich top sind und im hohen Maße intelligent. Stabile familiäre Verhältnisse und eine gute Bindung an eine Bezugsperson in der Kindheit, bilden in belastenden Situationen weniger Cortisol, das bekannterweise ein Stresshormon ist. Die Umwelt, in der ein Mensch aufgewachsen ist, ist ein weiterer Faktor für die seelische Widerstandskraft. Dazu zählen Freunde, Lehrerinnen und Lehrer, Nachbarn, Vorbilder usw.

 

Erfolg hat jemand, der sich selber zum Erfolg bestimmt und diese Fähigkeit liegt in der Biografie des Einzelnen verborgen. (IBH)

Gezielte Maßnahmen zur Steigerung der Resilienz, sind in den österreichischen Unternehmen und Organisationen noch nicht wirklich angekommen.

Alarmsignale würden frühzeitig erkannt werden, teure Krankenstände vermieden und vor allem Führungsmängel ausgebessert werden. Noch immer begegnen mir zynische Aussagen von z.B. Verkaufsleitern:"Wir investieren nicht in Weiterbildung und Coaching, wenn einer nach 100 Tagen sein Ziel nicht erreicht, wird er/sie ausgetauscht."

Unser Lebensrucksack als Coach

Mittlerweile ist es wissenschaftlich erwiesen, dass unser Genom kein, bei der Geburt festgeschriebenes Programm ist, das unser Leben vorbestimmt. Unsere Gene kommunizieren ununterbrochen mit unserer Umwelt und passen sich flexibel an. Unsere Widerstandsfähigkeit steigt proportional dazu, wie wir Krisen und Herausforderungen in unserer Entwicklung gemeistert haben. Der Spruch "Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter", hat somit einen wahren Kern. Biografisches Resilienz-Coaching als Methode hilft, die Inhalte des Lebens-Rucksackes kennenzulernen und in weiterer Folge, als Kraftquelle zu nutzen.

Dauerstress als Haupverursacher von psychischen und physischen Erkrankungen

In Urzeiten konditionierten Stresshormone den Körper dafür, schnell zu fliehen oder sämtliche Kraft, für den Kampf um sein Leben einzusetzen. Diesen Prinzipien folgt unser Körper auch heute, jedoch hat sich die Umwelt verändert. Kehrten in Urzeiten nach der Gefahr wieder normale Zustände ein, so sind wir heute dauerhaft einem Stresszustand ausgeliefert. Beruflichem Stress, wird mit Freizeitstress begegnet.

Was passiert wenn Stresshormone den Blutkreislauf überfluten? 

  • Atmung wird schneller
  • Blutdruck steigt
  • Die Leber bringt zusätzlich Glukose in den Blutkreislauf ein
  • Die Milz setzt mehr rote Blutkörperchen frei, um die Muskeln mit Sauerstoff zu versorgen
  • Die Gefäße weiten sich
  • Die Anspannung der Muskulatur nimmt zu
  • Die Blutgerinnung erhöhrt sich
  • Die Verdauung wir in Ruhestatus versetzt
  • Im Gehirn wird dies gespeichert, um in Zukunft noch effizienter reagieren zu können

Normalerweise fällt unser Hormonsystem, nach einer akuten Stressbelstung wieder in seinen Urzustand zurück. Doch durch permanente Stressreize, wird das verhindert. Das kann fatale Folgen haben.

Mann
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Die gute Nachricht: Resilienz kann man trainieren - zu jeder Zeit

Neben gesellschaftlichen und politischen Maßnahmen zur Förderung einer resilienten Gesellschaft, auf die ich in diesem Rahmen nicht näher eingehe, ist die individuelle Förderung der Menschen durch Familie, Schule, später durch Organisationen und Unternehmen, ein wesentlicher Bestandteil zur Erhaltung der Leistungskraft und Produktivität, wie auch der Motivation der Beschäftigen.

In meiner jahrzehntenlangen Tätigkeit als Coach, Beraterin und Trainerin und als Führungskraft, gelangte ich zur Überzeugung, dass sämtliche Maßnahmen zur Verhaltensoptimierung in der beruflichen Rolle, nur die Spitze des Eisberges sind. Das gesamte Potenzial, aber auch die "Bremser" dafür, sind im Verborgenen, sind in der Biografie des Menschen zu finden.

Mastertipp: Mit Mikrogewohnheiten zu mehr Selbstwirksamkeit

Wer kennt nicht die berühmten Vorsätze zu Jahresbeginn, die Ende Jänner bereits Geschichte sind. Der Vorsatz, nun endlich etwas für die Gesundheit zu tun und dreimal die Woche zu laufen, hält bei den Wenigsten.

Wie wäre es mit einer Mikrogewohnheit? Nehmen Sie sich vor, eine Kniebeuge täglich zu machen. Und wenn Ihnen im Bett um 23'55 Uhr nachts einfällt, dass Sie es noch nicht gemacht haben, dann stehen Sie auf und holen Sie es nach. DIESE EINE KNIEBEUGE.

Das hat folgende Wirkung: Zumal werden Sie, wenn Sie schon einmal dabei sind, drei oder vier draufsetzen. Ihr Gehirn gewöhnt sich langsam an die Veränderung und geht nicht in Widerstandsmodus. Sie werden die Kniebeugen auf fünf, zehn, fünfzehn usw. steigern und nach einem Jahr, haben Sie plötzlich fünf oder mehr Kilogramm abgenommen. Die Mikrogewohnheit wird zur Gewohnheit und beeinflusst auch andere Gewohnheiten. Sie stellen möglicherweise die Ernährung um, weil Sie merken, dass Ihr Wohlbefinden höher wird.

Diese Mikrogewohnheit können Sie auf alle Situationen anwenden.

  • Sie ändern Ihr Zeitmanagement
  • Sie gehen lange aufgeschobene Projekte an
  • Sie weiten Ihre Komfortzone aus
  • Und so weiter

Als Unternehmen fit sein für die Herausforderungen der Zukunft

Wie erfolgreich ein Unternehmen ist, hängt unter anderem davon ab, wie schnell und flexibel es auf kritische Situationen reagieren und erforderliche Veränderungen umsetzen kann. Entscheidend hierfür ist die Fähigkeit der Resilienz.

Die Widerstandskraft der Beschäftigten, der Führungskräfte und der Organisation insgesamt zu stärken, ist eine strategische Aufgabe der Organisations- und Personalentwicklung.

Resilient ist ein Unternehmen dann, wenn es nachhaltig leistungsfähig ist und dies trotz Krisen und Turbulenzen auch bleibt.

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Fazit

Die Menschen in dieser Arbeitswelt werden zunehmend unzufrieden, erschöpft, ausgebrannt und depressiv. Angst, Druck, Unsicherheit und Resignation nehmen zu. Die Beschäftigten sind in ihrer Selbstwirksamkeit eingeschränkt und die Resilienz des Einzelnen nimmt ab. Mit Abnahme der Resilienz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nimmt auch die Resilienz der Organisaton, des Unternehmen ab. Alles ist mit allem verbunden. So wie die Widerstandskraft der Natur, aufgrund des Klimawandels abnimmt, nimmt die Widerstandskraft der Menschen ab.

Es ist an der Zeit dagegen etwas zu tun!

Büchertipps:

Birgit Eberle "Resilienz ist erlernbar".

Ingrid Miethe "Biografiearbeit"

Paul Rebillot "Die Heldenreise"

Natalie Knapp "Der unendliche Augenblick" Warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind (rowohlt)

Matthias Beck "Was uns frei macht" Für eine Spiritualität der Entfaltung (Styria)

 

Zum Resilienz-Coaching für Unternehmen

 

Zu meinen Büchern

Über die Autorin:
"Ich helfe meinen Kundinnen und Kunden Mutkompetenz© zu erwerben, damit sie selbstbestimmt ihren eigenen Weg gehen können."Ingeborg Berta Hofbauer

Ingeborg B. Hofbauer

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