„Ich brauch Tapetenwechsel sprach die Birke und macht sich in der Dämmerung auf den Weg.“

Allein auf Reisen zu gehen, dazu noch als Frau, wird nach wie vor als „Sonderbar“ eingestuft und ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Ja, ich bin Single und ja, ich wandere und reise am liebsten allein. Na und? Selbst in meinem näheren Umfeld stoße ich immer wieder auf Unverständnis und auf völlig überflüssige Kommentare wie: „Vielleicht lernst du da einmal jemanden kennen“. Zum wiederholten Mal und damit es endlich schriftlich festgehalten ist: Ich reise nicht allein, weil ich jemanden kennenlernen will und ich reise nicht allein, weil ich keine Begleitung habe. Ganz im Gegenteil. Ich mache mich sogar still und heimlich auf, um nicht in  Verlegenheit zu geraten, eine angebotene Reisebegleitung dankend ablehnen zu müssen.

Ich reise allein, weil ich es liebe und ich leidenschaftlich gerne allein reise. Punkt. Die meisten Menschen, vor allem Frauen die allein reisen, werden mir das bestätigen. Allein unterwegs zu sein heißt voll und ganz bei sich zu sein, sich unendlich frei zu fühlen, unabhängig zu sein, selbstbestimmt zu sein usw. usf. Man braucht keine Kompromisse eingehen, nicht über die Wahl des Lokals diskutieren, kann spontan ein anderes Tagesprogramm wählen, um 6 Uhr aufstehen ohne auf jemanden Rücksicht zu nehmen und dann um 21 Uhr schlafen gehen. Aber diese aufgezählten Gründe sind es nicht allein. Reist man allein, nimmt man die Umgebung viel intensiver wahr und man kommt mit Menschen leichter ins Gespräch. Man ist offener und findet relativ rasch neue Bekannte, um diese wieder ziehen zu lassen, wenn die Zeit gekommen ist. Man ist fern von allen Rollen des Alltags.

 Allein reisen heißt nicht einsam zu sein. Allein reisen heißt, die Welt in ihrer Vielfalt und Schönheit richtig gut wahrzunehmen und zu entdecken.

Ich mache keine großartigen Fernreisen oder Abenteuerreisen. Europa hat so viel zu bieten und es ist einigermaßen sicher. Sich einfach für ein paar Tage aufzumachen, sich in den Zug setzen, mit dem Ziel ans Meer zu fahren, ist schon ein kleines Abenteuer. So geht z.B. ein Zug täglich von Wien nach Ljubljana und von dort fährt die Karstbahn weiter nach Koper. Die Fahrt mit der Bahn durch den Karst ist etwas Einzigartiges. Die vielen kleinen slowenischen Orte, deren Namen wie eine Litanei klingen. Wenn dann der Zug am Karstrand hoch oben dahinpfeift und gegenüber die Sonne wie ein Feuerball untergeht, hat man plötzlich dieses besondere Gefühl, als würde die Welt einen Augenblick den Atem anhalten.

Das ist intensives, spürbares SEIN. Jedenfalls für mich. Kaum jemand schaut sich Koper an. Eine attraktive Küstenstadt mit einer malerischen Altstadt, die von einem Speckgürtel, bestehend aus Einkaufszentren und Industriehallen, umgeben ist. Hat man diesen hässlichen Außenring überwunden, findet man sich in der venezianisch geprägten Altstadt wieder. Das berühmte Caffe‘ Loggia Kavarner. Die Loggia ist aus dem 15. Jahrhundert und das Cafe‘ ladet mich ein, das Buch:“ Mein Karst“ von Scipio Slapater anzufangen, der mit anderen Denkern und Dichtern in diesem Cafe‘ Stammgast war.

Das ist es, was ich so am Alleinreisen liebe. Voll und ganz in die Geschichte, die Literatur und die Architektur eines Ortes einzutauchen. Meine BegleiterInnen sind Bücher, Biografien und Reiseliteratur.

Zugegeben, man ist einen ganzen Tag nach Koper mit der Bahn unterwegs und der realistische, moderne und gestresste Mensch, der Erholung sucht, sagt zu Recht, dass man bereits in 4 Stunden dort sein könnte. Aber es geht hier nicht um das Ziel, sondern um den Weg. Hier bekommt das Lao-Tse-Zitat „der Weg ist das Ziel“ eine nachvollziehbare Bedeutung. Es ist ein anderes Gefühl des Reisens. Sich langsam von daheim entfernen, um sich langsam dem Ziel anzunähern. Das Beobachten anderer Fahrgäste im Zug oder die Menschen in den Bahnhöfen und auf den Feldern. Landschaft und Gedanken verschmelzen plötzlich und unbemerkt.

Wenn du es ernst meinen solltest mit dem „Runterkommen“, dann mach dich auf Reisen, wie es schon Künstler und Dichter, wie z.B. Goethe einst taten. Letzterer klagte sogar, „dass die Kutsche zu schnell fahre und sein Geist mit dem Tempo nicht mithalten könne“.

Als Frau allein unterwegs habe ich natürlich ein Smartphone dabei und checke mir über das Internet mein Quartier. Diese durchaus frauenfreundlichen Erfindungen ermöglichen es mir, gute Quartiere zu guten Preisen zu bekommen. Ebenso ist es angebracht ein Navigationsapp zu haben und sich damit zurechtzufinden. Here Map hat sich gut bewährt und Google Map sowieso. Komme ich in der Nacht an, so nütze ich immer ein Taxi. Allein reisen heißt nicht, dass ich übermütig bin. Es heißt auch nicht, dass ich außergewöhnlichen Mut habe. Es heißt vielmehr achtsam zu sein und wachsam. Allein essen zu gehen wird auch von vielen gefürchtet. Ich persönlich suche mir die besten Lokale aus, weil ich ein Land auch über die Kulinarik kennenlernen will. Außerdem bin ich Genießerin. Selbstbewusst ein Lokal zu betreten und nach einem schönen Tisch zu verlangen, war für mich noch nie ein Problem. Ich habe nur gute Erfahrungen damit und mir wurde außerhalb von Österreich noch nie ein Tisch neben Klo, Küche oder Ausgang angeboten. Innerhalb von Österreich muss man sich als Frau manchmal behaupten, um sich Respekt zu verschaffen. Apropos‘ Respekt. Den habe ich mir spätestens dann erworben, wenn ich kundig ein 3-Gänge Menu‘ mit entsprechendem Wein bestellt habe.Ich schreibe auch auf Reisen und deshalb sind Schreibstift und Schreibheft ständig dabei. Und wenn ich nicht gerade meine Umgebung beobachte, schreibe oder lese ich zwischen den Gängen.

Sollte ich wirklich einmal das Bedürfnis haben, etwas mit anderen zu teilen, dann gibt es ja noch Facebook. Da ich eine Früh-Schlafengeherin bin, ziehe ich mich nach dem Abendessen bald  in mein Zimmer zurück und lese noch in meinem E-Book-Reader. Auch diese Erfindung ist genial auf Reisen. Man hat eine ganze Bibliothek dabei.

Leichtes Gepäck, ich reise nur mit Rucksack, ist sehr zu empfehlen. Nicht nur weil man die Hände frei hat, wenn man z.B. mit dem Navi durch die Stadt geht, sondern man ist als Backpackerin sofort Teil einer „Community“ und findet schneller Anschluss.

Bis bald!

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