Tag: Rucksackgeschichten

Brich auf, wenn der Ruf dich ereilt

Lebensübergänge bringen oft tiefgreifende Veränderungen mit sich. Es ist der Ruf des Lebens an uns, dem wir uns zu stellen haben.

Ein Übergang ist der Ort, an dem der Wald die Wiese ruft und die Wiese dem Wald antwortet.“ (Natalie Knapp „Der unendliche Augenblick“

In der Biologie nennt man den Raum zwischen zwei ökologischen Systemen „Ökoton“. Ein Ökoton ist ein ökologischer Spannungsraum, z.B. zwischen Wiese und Wald, Wüste und Oase oder Meer und Küste. Es greifen zwei ökologische Systeme ineinander und bilden einen eigenen Lebensraum, in dem Pflanzen und Tiere existieren, die sich nirgends sonst zu Hause fühlen.

Diesen Vergleich mit der Natur kann man direkt auf unser Leben übertragen. Das Leben ist eine Abfolge von Übergängen und jeder dieser Übergänge birgt ein hohes Maß an Spannung. Beginnend mit der Geburt. Die Mutter, das ungeborene Kind und alle Anwesenden stehen unter Hochspannung. Die Pubertät. Wer selbst Kinder großgezogen hat weiß, wie spannungsgeladen das Zusammenleben mit heranwachsenden Jugendlichen ist. Hochzeiten, Trennungen, Krankheiten, Jobwechsel, die Wechseljahre, Pension und nicht zuletzt das Sterben.

Das Vorbild der Natur soll uns Hilfe sein und zeigen, wie wir Übergänge in unserem Leben meistern können. Denn in den meisten Fällen wird ein Übergang als Bedrohung empfunden. Man klammert sich an alte Verhaltensmuster und den gewohnten Lebensentwurf, während uns das Neue ruft, mitunter sogar überfällt. Übergänge sind Krise und Chance in einem.

Eine Krise bietet die Chance sich das Leben zurückzuholen. (Natalie Knapp „Der unendliche Augenblick“

Ein weiteres schönes Bild ist die Brücke. Mit ihrer Hilfe überwinden wir Schluchten und Flüsse.

Bau dir deine Brücke, wenn du vor einem Übergang stehst.

1. Loslassen – und aufhören, alles kontrollieren zu wollen. Akzeptieren, dass man vor einem Übergang steht.

2. Mut – und die Kraft zur Veränderung, die diesem Mut innewohnt.

3. Selbstfürsorge – in sich hineinhören, genau darauf achten, ob mein Herz meinen Entscheidungen zustimmt.

4. Die Komfortzone verlassen – und das Vertrauen, dass alles gut ist, was mir begegnet.

5. Liebe geben und Liebe empfangen. Hilfe annehmen, ohne schlechtes Gewissen.

Ein Übergang ist immer auch ein kleines Sterben.

Denken wir an die Metamorphose des Schmetterlings. Lässt man sich mutig auf diesen Prozess ein, werden schlummernde Potenziale plötzlich freigesetzt und Neues kann entstehen. Übergänge bergen Schöpfungsenergie in sich und hohes Entwicklungspotenzial. In Übergangsphasen ist uns das Göttliche nah.

Der Weg  der Veränderung

Der Imagoeffekt

Am Anfang steht die Vorstellung:

Ein klares BILD von dem, was ich wirklich von HERZEN will, wo ich mein TALENT voll entfalten kann und ich BEZIEHUNGEN finde, die nährend und gedeihlich für mich sind. ERFOLG, als Folge meiner Gedanken, Worte und Werke und ein GELINGENDES Leben.

Verborgene Schätze finden und heben:

TRÄUME in ZIELE verwandeln. Nach den eigenen Schätzen schürfen und nach Perlen tauchen. Finden, was immer schon da war und Potenziale entwickeln. WIRKUNG setzt ein.

Die Verwandlung setzt ein:

Ins recht Licht gerückt und SICHTBAR sein. SELBSTBEWUSST, um den eigenen WERT wissend. ERFOLG, als Folge von richtigen ENTSCHEIDUNGEN. Ein GELINGENDES Leben nimmt RAUM.

Zur Hilfe beim Brücken bauen in Lebensübergängen

Selbstcoaching im Rahmen eines Coachingspaketes!

 

Istrien – warum nicht einmal eine Genussreise im Winter?

Fotos Peter Hofbauer

Text Ingeborg Berta Hofbauer

Getreu meinem Motto: „anders als die anderen“ suche ich besonders beim Reisen das Andere. Das Andere muss aber nicht immer das unbekannte Neue sein, sondern durchaus das Neue im Vertrauten. 

Ich bin Istrien-Expertin. So steht es zumindest im Katalog meines Reisebüros, für das ich im Frühjahr und Herbst in Istrien Wanderreisen begleite. Aber wann ist man eigentlich Expertin?

Istrien im Frühjahr und Herbst zum Wandern und Radfahren, im Sommer an den Küsten zum Baden ist hinlänglich bekannt und verkommt leider zum Massentourismus. Warum nicht Istrien im Winter? Warum nicht das Neue im Vertrauten finden? 2017 fuhr ich zweimal im Winter nach Istrien. Einmal Anfang März und einmal im Dezember.

Da zu diesen Zeiten die meisten Hotels geschlossen haben, buchten wir, meine zwei Begleiter und ich im Dezember ein privates Quartier im Zentrum von Opatija. Mit Blick auf die weihnachtlich geschmückte Hauptstraße, auf die Berge hinter Rijeka und die Kvarnerbucht. Die Wohnung im zweiten Stock einer Villa entsprach ganz unseren Bedürfnissen.

„Es ist dieses besondere Gefühl dazuzugehören, wenn man privat wohnt.“

Der erste Tag in Opatija gehörte dem Lungomare. Es regnete und es stürmte. Die „aufgebrachte“ Adria warf ihre Wogen an die Küste und Fontänen spritzten nur so über die Kaiser-Franz-Josef Promenade hinweg. Außer uns drei wetterfesten Steirern war niemand unterwegs.

Das Ziel war Volosko, die kleine und weniger beachtete Nachbarin Opatijas. Volosko hat jedoch durchaus Interessantes zu bieten: „Hier wurde der Wissenschaftler Dr. Andrija Mohorovičić, kurz Moho, geboren wurde. Nach ihm wurde sogar ein Asteroid benannt. Andrija Mohorovičić war Meteorologe und Geophysiker. Ihm gelang 1909 erstmals, mit Bebenwellen die Trennfläche zwischen Erdkruste und Mantel zu erfassen.“

Das Reiseleiter-Gen schlägt schon wieder durch. Nach dieser Einleitung meinerseits bogen wir um die Ecke und standen im Hafen von Volosko. Verlockend eine der Bars an der Hafenpromenade mit Blick auf die Adria, jedoch lohnt es sich, die Stufen in den, an den Hang geschmiegten Ort hinaufzusteigen, um plötzlich vor der Pastisserie Kaokakao an der Hauptstraße zu stehen. Es war ja auch schon Zeit für einen Cafe‘ fanden wir.

Draußen strömender Regen und im verspielten Inneren des Lokals der sprichwörtliche Wohlfühlmoment, nicht bei einem bekannten Möbelhaus, sondern bei einem Cappuccino und einer „Millefoglio“. Sturm und Regen hinderten uns im Anschluss nicht daran, weiter den Ort zu erkunden und plötzlich standen wir vor der hölzernen Eingangstür der urigen Konoba „Tramerka“, die gerade aufsperrte.

Natürlich wollten wir dieses urige Lokal von innen sehen und da es 13 Uhr war, stand einem Imbiss, bestehend aus Schinken, Käse und Oliven mit einem Glas Malvazija, nichts mehr im Wege. Zum Restaurantgeschehen sei darüber hinaus erwähnt, dass das Fischrestaurant Plavi Podrum im Hafen von Volosko besten Ruf genießt.

Diesmal fuhren wir jedoch ins Bergdorf Mošćenice, um nach einem stillen Rundgang durch die abendliche Altstadt im Restaurant „Perun“ zu essen. Im Sommer ist die Terrasse des Perun ein beliebter Treffpunkt, ein absolutes Highlight mit Blick auf die Kvarnerbucht und die Insel Cres. Dieses Mal saßen wir am offenen, beheizten Kamin im Gastzimmer.

In der Nacht hatte es geschneit. Die Berge hinter der Stadt Rijeka begrüßten uns im weißen Kleid. Am Programm stand ein Ausflug in das Herz von Istriens. Die Gegend um das Mirnatal war unser Ziel. Winterliche Pracht, verschneite Landschaft auf den Bergen und unten das Meer. Dieser einzigartige Anblick war uns auf der Fahrt zum Uckatunnel beschert. Roc, die kleine Stadt auf einem Hügel, war tief verschneit.

Ein kurzer Zwischenstopp in der Destilleria „Aura“ in Buzet mit einer exklusiven Führung verleitete uns zu den ersten Weihnachtseinkäufen. Die Zutaten für Biska, Gin und andere Kräuterschnäpse werden in der Ćićarija gesammelt und hier verbrannt.

Weiter ging es nach Motovun. Im Sommer meist total überfüllt, präsentierte sich das Zentrum der Trüffel diesmal wie ausgestorben. Der einzigartige Blick von der Stadtmauer in das Mirnatal und auf die verschneiten Hügel gegenüber lösen eine wahre „Fotografierwut“ aus.

Nachdem wir uns mit kulinarischen Köstlichkeiten in einem Laden eingedeckt hatten, fuhren wir über Livade die Serpentinen hoch nach Zrenj.

Ich konnte es kaum erwarten, meinem Bruder und meiner Freundin den Agriturismo „Tončić“ in Zrenj zu zeigen. Sandras Fuzi mit Trüffel haben es zu mancher Erwähnung in mehreren Istrienführern gebracht. Ein mit italienischen Suv’s überfüllter Parkplatz versprach nichts Gutes und tatsächlich, dem erfreuten „Servas“ vom bereits leicht gestresst wirkenden Sandro, dem Mann von Sandra, im überfüllten und lauten Lokal folgte ein entschuldigendes „Leider kein Platz mehr“. Leicht enttäuscht fuhren wir zurück nach Oprtalj, um ein mir noch unbekanntes Lokal in Augenschein zu nehmen- die „Konoba Oprtalj“. Wie in den meisten Konobas in Istrien war auch hier der riesige offene Kamin in Betrieb und wohlige Wärme durchströmte den Raum. Die Fuzi mit Trüffel überraschten uns positiv, ebenso der Wein aus der hauseigenen Kellerei.

 

Bei Dunkelheit traten wir die Rückreise nach Opatija an. Opatija ohne Schokolade geht gar nicht. Die Schokomanufaktur Milenij im Hotel Continental mit Schokomuseum im Keller lockte. Meine Freundin schwebte, angesichts der dargebotenen Süßigkeiten, im siebten Himmel. Bei Livemusik und heißer Schokolade ließen wir den Tag ausklingen.

Es war deutlich spürbar, dass Opatija sich nicht für die TouristInnen, sondern für die EinwohnerInnen der Stadt und die BesucherInnen aus Istrien herausgeputzt hatte. Von unserer Wohnung konnten wir ein Open-Air-Konzert mitverfolgen. Viele junge Menschen waren unterwegs.

Fröhlich und ausgelassen, so präsentierte sich für uns die Vorweihnachtszeit in Opatija

Der letzte Tag begrüßte uns mit herrlich mildem Wetter. In diesen drei Tagen erlebten wir alle vier Jahreszeiten. Kälte, Nebel, Regen, Schnee, Sonnenschein und milde Temperaturen. Unser Abschiedsspaziergang entlang des Lungomare wurde eröffnet mit einem letzten Besuch bei der Jungfrau mit der Möwe und einem Rundgang im Angiolina Park. Wir lustwandelten wie einst die Kurgäste der K&K Zeit nach Lovran. Der Weg nach Volosko ist eindeutig der attraktivere, weil hier kaum Betonscheußlichkeiten an Hotels zu sehen sind, sondern altehrwürdige Villen und Hotels, wie das Miramar und das Kvarner. In Lovran angekommen, führte uns der Hunger in das einzige offene Fischrestaurant, das „Knezgrad“, in welchem wir diese vorweihnachtliche Winterreise bei einem guten Fischmenü ausklingen ließen.

Wanderreisen nach Istrien 2018

Mehr über meine Bücher

Übergänge – Impressionen einer Pilgerwanderung

Pilger, hörst du den Ruf….

Wieder hatte mich der Ruf erreicht und ich breche auf zu einer Pilgerwanderung. Für mich heißt, zu einer Pilgerwanderung aufzubrechen, nicht wandern zu gehen, sondern mich auf einen spirituellen Weg zu machen, um mir selbst zu begegnen. Mir selbst und Gott. Das ist mein tieferes Verständnis von Pilgern. Pilgern als Metapher für den Lebensweg. Peregrinus – aus dem Lateinischen – bedeutet Fremder in der  Fremde.

Diesmal bin ich keine Fremde, sondern Einheimische. Ich pilgere den Heilbrunnweg in der Oststeiermark in meiner Heimat.

Mein Pilgerstab ist aus Ulmenholz:  Ich bin nach dem keltischen Baumkreis eine Ulme. Dieser Pilgerstab ist das sichtbare Zeichen, dass ich nicht Wanderin sondern Pilgerin bin.

Der Weg: Ein neu geschaffener Pilgerweg, rund um ein Heiligtum, ganz in der Nähe meines Wohnortes: „Maria Heimsuchung“ in Heilbrunn

Der Wegweiser: Ein blauer Wassertropfen

„Übergänge im Leben“ ist mein Thema auf diesem Pilgerweg.

„Ein Übergang ist jener Ort, an dem der Wald die Wiese ruft und die Wiese dem Wald antwortet.“

(Aus dem Buch „Der unendliche Augenblick“ von Natalie Knapp)

Als Pilgerin bin ich nun schon 57 Jahre auf dieser Erde unterwegs und habe schon einige Metamorphosen durchgestanden.Den „Übergängen in meinem Leben“ spüre ich auf diesem Weg nach und die Natur ist meine Impulsgeberin.

Ich starte beim Hotel-Gasthof Bauernhofer auf der Brandlucken und gehe, vorbei am Kornreitherhaus, zur kleinen Kapelle. Immer den blauen Wassertropfen folgend, führt der Weg durch den Wald, parallel zur Landstraße. Ich achte auf den „Übergang“ zwischen der Schnelligkeit der vorbeifahrenden Autos und der Langsamkeit meines Ganges im Rhythmus meines Herzschlages.

 

Übergänge: Stille und Lärm  – Natur und Technik – Vegetation und Asphalt – Langsamkeit und Schnelligkeit – Himmel und Erde.

Der Heilbrunnweg hat eine Überraschung bereit. Bei den einzelnen Stationen, die an besonderes schönen Plätzen installiert wurden, erwarten mich spirituelle Impulse. Digital kann man sich den jeweiligen Impuls über einen QR Code auf das Handy laden. Eine angenehme Männerstimme rezidiert einen Text.

Eine schöne Idee und eine Möglichkeit abzuschalten, den Gedanken eine andere Beschäftigung zu geben und sie vom Alltag abzulenken.

Auf einer Bank sitzend, betrachte ich die Landschaft und gehe in Dialog mit meiner inneren Landschaft.

 

Die Straße ist bis zu dieser Stelle noch immer präsent. Auch das ist eine gute Metapher zum Thema „Übergang“. Das langsame Lösen von der Hektik hin zur Stille. Ab der zweiten Station führt der Weg, vorbei an einer Kapelle, in die Natur.

Kühe lagern mitten auf dem Weg. Mich beschleicht Angst, denn ich hatte als Kind ein sehr schlimmes Erlebnis mit einer Kuh.

Der Übergang von der Angst zum Mut.

Fest nehme ich meinen Pilgerstab in die Hand und gehe sicheren Schrittes an den Kühen vorbei. 2 Kalbinnen stehen auf, als würden sie mir die Ehre erweisen. Neugierig schauen sie mich an und lassen mich unbehelligt vorbeiziehen.

An einem Brunntrog verweile ich abermals und kann von hier die Wallfahrtskirche: „Maria Heimsuchung“ im Ort Heilbrunn sehen.

 

Zum Mittagsleuten ziehe ich auf dem Kirchplatz ein und erfrische mich am heilenden Wasser des Brunnens. In der Kirche möchte ich eine Kerze anzünden und etwas spenden. Da bemerke ich, dass ich meine Geldtasche im Auto liegengelassen hatte. Anfangs verärgert, weil ich vor der Weiterwanderung zum Mittagessen beim Gasthof Bratl einkehren wollte, muß ich wohl oder übel hungrig weiterwandern. Ein Themenweg, von Kindern gestaltet, erwartet mich gleich hinter dem Gasthof Bratl. Bunte Ikonen säumen den Weg.

Den blauen Wassertropfen folgend, gehe ich still von Station zu Station, von einem digitalen Impuls zum nächsten. Der Akku meines Handys ist schon fast leer. Digitale Kontemplation. Warum nicht?

Und immer wieder begegne ich dem Thema „Übergang“.

„Wo der Wald die Wiese ruft und die Wiese dem Wald antwortet“

Wieder beim Auto angekommen merke ich, dass ich die ganze Zeit meine Geldbörse im Rucksack hatte. Es war ein Geschenk es nicht gefunden zu haben und ich dadurch meinen Weg nicht unterbrochen hatte. Bei der Rückfahrt hole ich in der Kirche und im Gasthof Bratl zufrieden das Versäumte nach.

Mein Tipp: Diesen Weg sollte man alleine gehen.

 

https://www.bergfex.at/sommer/steiermark/touren/wanderung/128221,heilbrunnweg/

http://www.hbweg.at/de/index.html

http://www.heilbrunnweg.at/

Zu meinen Büchern „Rucksackgeschichten“

 

 

Opatija – Liebe auf den zweiten Blick

Die Geschichte Opatijas (Betonung liegt auf i) ist untrennbar mit der K&K Herrschaft der Habsburger, also mit Österreich verbunden. Kennt man sie nur oberflächlich, findet man als sensible Besucherin diesen Ort mehr ehrvergessen als mondän.

Zwar begegnet man überall dem Glanz von einst, doch dieser scheint von der modernen Tourismusindustrie komplett assimiliert worden zu sein. Übrig geblieben ist manch heruntergekommene und baufällige Villa und abgewohnte Palasthotels, die im Erdgeschoß Wettbüros, Souvenierläden oder, wie im Hotel Stephanie, (heute Imperial) einen Erotikshop beherbergen. Daneben entstanden hässliche Hotelanlagen, konzipiert für den „Instant-Tourismus“.

Diesen Eindruck nahm ich von meiner ersten Reise vor 5 Jahren aus Opatija mit. Im März dieses Frühjahrs machte ich einen neuen Versuch. Diesmal tauchte ich bewusst in die Vergangenheit ein, die sich mir durch viel Geschriebenes über Istrien, insbesondere über Opatija, erschloss.

Es war Liebe auf den zweiten Blick

Bei der Suche nach Unterkünften lohnt es sich, in kleinen Pensionen und restaurierten Villen nachzufragen oder auch auf die angrenzenden Orte Icici oder Lovran auszuweichen.

Wollen Sie sich Opatija aber  richtig schenken, dann logieren Sie im Hotel Kvarner oder im Hotel Miramar. Da bleiben keine Wünsche mehr offen.

Opatija ist begünstigt durch ein besonders gesundheitsförderndes Mikroklima und aufgrund der besonderen Lage, am Fuße der steil abfallenden Hänge der Ucka Berge, vor den kalten Nordwinden geschützt.

Abbazia ist italienisch und heißt Abtei (kroat. Opatija). Aus dem slowenischen Krain kamen einst Benediktinermönche in dieses Gebiet und fanden, außer einigen armseligen Hütten, kaum Besiedelung vor. Von den Grundherren in Kastav wurde ihnen, lt. Vertrag, der Küstenstrich des heutigen Opatija zuerkannt. Die Abtei (Abbazia) und die, dem Heiligen Jakobus geweihte Kirche, stehen noch heute.

Der weitere Verlauf der Geschichte Opatijas/Abbazias ist untrennbar mit einem Gebäude und einem Namen verbunden.

Das Gebäude heißt Villa Angiolina und der Name ist Friedrich Julius Schüler.

Aber dazu muss ich noch weiter zurück in die Vergangenheit gehen. 1844 baute ein reicher Kaufmann aus Rijeka (Iginio Scarpa) eine Sommervilla im heutigen Opatija und legte einen wunderschönen Park um die Villa an. Villa und Park tragen den Namen seiner geliebten, leider tragisch verstorbenen Frau. „Angiolina“.

1881 begann Friedrich Julius Schüler, der Generaldirektor der Südbahngesellschaft, Grundstücke in dieser Gegend aufzukaufen. Er erwarb von den Erben Scarpas die Villa Angiolina und den Park, der fortan öffentlich zugängig war.

Die feine Wiener Gesellschaft war durch den Reiseschriftsteller Heinrich Noe‘, der von dieser Region und dem Klima schwärmte, aufmerksam geworden.

Der äußerst geschäftstüchtige Südbahndirektor Schüler erkannte die große Chance und plante, nach dem Vorbild anderer europäischer Eisenbahngesellschaften, die mit ihren Railway Hotels sehr erfolgreich waren, ebenso in Abbazia Palasthotels zu errichten. Die Südbahnstrecke nach Rijeka wurde um die Strecke nach Matulje, der Bahnhof von Abbazia, erweitert.

Die Wiener Aristrokatie und reichen Bürgerinnen und Bürger, entflohen dem Winter in Wien und trafen einander an der Österreichischen Riviera zum Stelldichein.

Abbazia wuchs zu einem beachtlichen und europaweit anerkannten Kurort heran, was auch den hervorragenden Kontakten Schülers zu namhaften Ärzten jener Zeit, wie Glax und Billroth zu verdanken war.

Der damit einhergehende Immobilienboom bescherte der Südbahngesellschaft, durch den Verkauf der einst erworbenen Grundstücke, gutes Geld. Damit konnten Bauprojekte, wie das Quarnero (Hotel Kvarner), das Hotel Stephanie und einige andere Dependancen finanziert werden. Das Hotel Stephanie, benannt nach der Frau und späteren Witwe des Erzherzogs Rudolf, heißt heute Imperial und ist leider sehr abgewohnt. Es lohnt sich dennoch die Treppen hochzusteigen und sich im Inneren des Hotels umzusehen. Mit etwas Phantasie kann man dem Glanz und Glamour von einst nachspüren. Obwohl man sich natürlich fragt, ob die Angestellten überhaupt wissen, welche Persönlichkeiten hier einmal abgestiegen sind.

1884 wurde das prachtvolle Hotel Quarnero, mit dem schönsten „Ballsaal der Welt“, dem Kristallsaal, eröffnet. Noch heute ist es das erste Haus in der Stadt, direkt am Lungomare.

Glanzvolle Bälle wurden hier ausgerichtet und die europäische Creme‘ de la Creme‘ fand sich ein. Eine Fotoausstellung dieser Zeit und viele andere sehenswerte Objekte, findet man im Schweizerhaus im Park Angiolina und in der Villa Angiolina selbst. Beide sind als Museen öffentlich zugängig.

Um die Jahrhundertwende gaben sich im Hotel Stephanie der europäische Hochadel, wie Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm aber auch Künstler, Literaten, Musiker, wie Gustav Mahler oder Dichter, wie Peter Rosegger die Tür in die Hand. Die Tänzerin Isadora Duncan wurde angeblich von den Bewegungen der Lorbeersträucher im Wind inspiriert und frische Kipferl wurden täglich, direkt von der K&K Hofbäckerei Blaschke aus Wien, geliefert. Peter Rosegger las in der Villa Angiolina „Stoasteirisches“ und Militärkapellen spielten in den Musikpavillons.

Der Wiener Lifestyle wurde nach Abbazia verlegt. Überall im Kaiserreich brodelte es, in Abbazia wurde getanzt.

Opatija und der Lorbeer.

Als der Kurort bereits in seiner Hochblüte stand, baute man den „Kaiser-Franz-Josef-Kai, heute  von den Einheimischen liebevoll „Lungomare“ genannt. Diese Küstenpromenade führt 12 km vom kleinen Fischerort Volosko, vorbei an Opatija, nach Lovran.

Nach der Ankunft führt der erste Weg hinunter zum Lungomare, um ins Zentrum von Opatija zu gehen. Satte, dunkelgrüne Lorbeerhecken und Bäume säumen den Weg und der Blick auf das blaue Meer, mit seinen bizarren Küstenformationen, trösten ein wenig über die zunehmende Verbauung hinweg.

Am Eingang der Stadt stößt man auf den „Walk of Fame“, wo für berühmte Persönlichkeiten Kroatiens, wie u.a. Nikola Tesla, ein Stern in den Asphalt eingelassen wurde.

Der wohl meistfotografierte Platz in Opatija ist die „Jungfrau mit der Möwe“

Es ist das Wahrzeichen von Opatija. An ihrer Stelle stand einst eine Marienstatue. „Madonna del Mare“, die zum Gedenken an den Baron Kesselstadt und seiner Geliebten, der Gräfin Fries, errichtet wurde. Beide sind 1891 in den Wellen des Meeres, unweit der heutigen Statue, ertrunken. So steht es im „Goldenen Gästebuch“, das in der Saison 1891 begonnen wurde. Die Marienstatue wurde, aufgrund witterungsbedingter Beschädigungen, 1951 entfernt. Eine Kopie von ihr steht neben der Jakobskirche.

1956 kam an die selbe Stelle die “Jungfrau mit der Möwe“.  Diese Skulptur des kroatischen Künstlers Zvonko Car ist Anziehungspunkt für BesucherInnen aus aller Welt. Über sein Modell hüllte der Künstler sich diskret in Schweigen. Von hier aus schlendert man weiter, vorbei an der Kirche und kommt zur  Villa und Park Angiolina.

Die Kamelien Blüte im Frühling ein einzigartiges Erlebnis.

Die Kamelien von Opatija.

Blumen wurden schon seit jeher symbolisch verwendet und dienten als stille Botschafterinnen. Die Kamelie steht für Reichtum und Glanz. Sie war die Blume der Aristokratie und der reichen BürgerInnen. Die ersten Kamelien von Opatija waren rot. Ihr Name, „Camellia Japonica“, stammte aus Dresden und nicht, wie fälschlicherweise angenommen,  aus Japan. Im königlichen Gewächshaus in Pillnitz bei Dresden, wurde diese Kamelie von den Gärtnern des „Botaniker König“, Friedrich August II gezüchtet. Nach Abbazia kam diese edle Blume als Geschenk für die Familie Iginio Scarpa.

Heute blühen im Park neben den roten Kamelien auch andere Kamelien Arten. Man sollte sich Zeit lassen für die Besichtigung des Parks und seiner Vielfalt an Gehölzen und Bäumen aus aller Welt.

Inmitten des Parks steht die Statue des großen Förderers Abbazias, Friedrich Julius Schüler.

Nicht entgehen lassen sollte man sich den Weg hinaus nach Volosko.

Vorbei am wunderschönen Hotel Miramare, wo man durchaus noch einen Zwischenstopp auf der Hotelterrasse zum Lunch – auch für Nichthotelgäste möglich – einlegen kann.  Tipp: An der Rezeption kann man das Buch die „Kamelie von Opatja“ erwerben. Dieses wirklich liebevoll gestaltete Büchlein erzählt die Geschichte Abbazias und seiner Kamelien und wurde vom Hotelier selbst herausgegeben.

Eine Reise bekommt für mich zusätzlich Spannendes, wenn ich mich in die Geschichte, Kultur, Menschen und „Geschichten“ eines Ortes an dem ich mich gerade befinde, einlese. Das Cafe des Hotels Milenij, inmitten der Stadt, ist ein würdiger Ort dafür.

Zurück auf den Lungomare. Der Weg führt ab dem Hotel Miramare weiter und ist weniger frequentiert. Bis zum Ausgangspunkt der Kaiser-Franz-Josef Promenade sind es noch gemütliche 45 Minuten. Biegt man nach der Gedenktafel um die nächste Häuserecke, tut sich plötzlich der kleine Hafen des malerischen Fischerortes Volosko auf. Am Ende des Hafens gibt es ein tolles Fischrestaurant. Über schmale Stufen steigt man hinauf in das Ortsinnere , wo Ateliers und kleine Kunsthandwerksläden auf die BesucherInnen warten. Der Traumblick auf den Hafen und auf die Adria, ladet zum Fotoshooting ein.

Mehr über meine Wanderreisen nach Opatija und Istrien

Rucksackgeschichten in Büchern

Wandern im Herzen Istriens  in einem meiner nächsten Blogs

 

Spontan aufgebrochen – auf keltischen Spuren

War das alles? Wozu? Was ist geworden aus der ehemals unternehmungslustigen Raupe? Alles andere als ein Schmetterling. (Aus dem Buch Wind an den Sohlen von Klaus Edlinger.

Mich hatte der Imagoeffekt wieder einmal gepackt. Wenn ich länger als 4 Wochen zu Hause mit Alltagskram beschäftigt bin, will die „Raupe“ in mir sich verwandeln. Will sich verpuppen, ihre Ruhe haben, allein sein und als Schmetterling wiedergeboren werden.

Ich hatte keine Termine, meine Mutter war versorgt, also was hinderte mich einfach aufzubrechen? „Das kostet Geld“ meldete sich die Vernunftstimme. „Gerade im Sommer, wo Dürre am Auftragsmarkt herrscht, solltest du vorsichtig mit dem Geldausgeben sein“, ließ sie mich nicht in Ruhe. „Wenn du so anfängst zu denken, dann wirst du immer einen Grund haben, etwas nicht zu tun“ entgegnete die Mutstimme. Schluss mit den inneren Diskussionen entschied ich und fing einfach an zu packen. Ein Blick auf die Österreichkarte zeigte mir, dass ich das Waldviertel kaum kannte. Los ging’s in das südliche Waldviertel. Ziel: Das Yspertal. Ein Tipp von meinem Bruder. Am Nachmittag erreichte ich den Ort Ysper und hatte Glück. Das letzte Einzelzimmer, für zwei Nächte, im Landhotel Yspertal war meins. Ein ehrwürdiges, schön renoviertes Gutshaus, versehen mit drei Sternen, erbaut im 17.Jahrhundert (1645). Solche Locations liebe ich. Ein romantischer Innenhof lud ein zum Speisen. Die Speisekarte überraschte, neben traditionellen Speisen, auch mit vegetarischen Köstlichkeiten. Und sie hielt was sie versprochen hatte.

Es war brütend heiß.

Nach dem Essen wollte ich noch eine kleine Wanderung machen. Die Hitze und die Tristesse dieses kleinen Ortes, verschlafen und menschenleer, schlug sich mir irgendwie auf‘s Gemüt. Es trieb mich zurück in den kühlen Innenhof des Hotels und zu einem guten Buch. Auch das kann beim Alleinreisen vorkommen. Dass man plötzlich richtig einsam ist. So einsam, dass man nicht einmal jemanden anrufen möchte. Doch ich stellte mich dieser Einsamkeit, denn sie gehört, zwar selten, zum Alleinreisen dazu und kann viel über die Situation und einem selbst aussagen.

Aufschluss darüber, bekam ich aufgrund einer Begebenheit beim Abendessen.

Der Wirt bat mich, einer 91- jährigen Dame beim Essen Gesellschaft zu leisten. Ich wollte schon zustimmen, als sich in mir massiver Widerstand regte und ich einen eigenen Platz verlangte. Dies war eine höchst interessante Situation, die Abgrenzung meinerseits einforderte. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich im Grunde auch ein wenig vor meiner Mutter zu Hause geflohen war. Hin und wieder überfordert es mich einfach, dass ich den langsamen geistigen und körperlichen Verfall meiner Mutter so nah miterleben muss bzw. darf. Die meiste Zeit kann ich gut damit umgehen, aber hin und wieder ist es mir zu viel und ich erlaube mir dies einzugestehen.

Da hilft aufzubrechen für ein paar Tage, um Abstand zu bekommen.

In dieser Nacht schlief ich sehr schlecht. Zwischendurch überlegte ich sogar, am nächsten Tag wieder nach Hause zu fahren. Ich kam nicht und nicht zur Ruhe. Unruhig schlief ich bis 8‘30 Uhr. Der Tag begrüßte mich mit einem stahlblauen Himmel und der verlockenden Einladung wandern zu gehen. Die Lebensgeister waren geweckt, ebenso die Abenteuerlust. So brach ich nach dem Frühstück auf, um die Ysperklamm zu durchschreiten. Die Menschenmassen am Eingang, schreckten mich zurück und wieder überlegte ich umzukehren und aufzugeben. „Aufgegeben wird ein Brief“, wies ich mich innerlich zurecht und stieg grimmig in die Klamm ein. Das laute Rauschen des herunterkommenden Wassers überdeckte den Lärm, der vielen Stimmen meiner Mitwanderer. „Warum müssen die Menschen beim Wandern ununterbrochen quasseln“, ging es mir durch den Kopf aber ich merkte, dass langsam innere Gelassenheit in mein aufgewühltes Gefühlsleben einkehrte. Dieses atemberaubende Naturszenario fegte meine negativen Gedanken nur so hinweg. Zwischendurch stieg ich aus dem Pfad und den Stegen aus, um einen Platz an den Wasserfällen zu finden, zu lauschen und zu schauen. Plötzlich bemerkte ich über mir eine Bewegung und als ich hochblickte, entdeckte ich eine Drone. Ich erschrak zutiefst und mir war äußerst unwohl dabei. Ich fühlte mich beobachtet, meine gute Stimmung begann wieder zu sinken und Ärger stieg in mir hoch. Mit großer Mühe zwang ich mich, ruhig zu bleiben. So floh ich regelrecht vor dieser „gefühlten Bedrohung“ von oben. Glücklicherweise gelang es mir, dieses unangenehme Gefühl, einem persönlichen Übergriff augesetzt gewesen zu sein, zurückzulassen.

Am Ausgang der Schlucht angekommen, beschloss ich spontan, den Druidenweg weiterzugehen. Das hieß, weitere 3 Stunden zu wandern. Ein Blick auf meine fast leere Wasserflasche, brachte mich jedoch ins Zweifeln. 3 Stunden, bei über 30 Grad ohne Wasser, ist ein gefährliches Unterfangen. Was tun? Auf einer Bank sitzend, versuchte ich, meiner inneren Stimme lauschend, eine Entscheidung zu treffen. Ich beschloss, im Vertrauen auf ein „Wunder“, einen Kilometer zu gehen. Wenn ich zu keiner Quelle käme, dann würde ich umkehren und wieder durch die Klamm absteigen. Das war mein Plan und so brach ich auf und ziemlich genau nach einem Kilometer, kam ich zu einer Quelle. Dieses Vertrauen hat mir schon so viele Male geholfen und ich kann es rational nicht erklären. Es ist einfach so. Menschen, die viel alleine unterwegs sind und Kontakt zu ihrer inneren Weisheit haben, bestätigen mir dieses Phänomen.

Der „Druidenweg“ ist ein Wanderweg durch eine wundervolle Waldlandschaft, reich an Steinmonumenten und keltischen Kultplätzen. Mich fasziniert alles, was mit Keltentum, alten Mythen und Bräuchen zu tun hat. „Wahrscheinlich sind auch in mir noch Spuren von keltischen Genen vorhanden“, hoffte ich im Geheimen. Fast andächtig betraten die wenigen Wanderer, die sich auch  für diesen Weg entschieden hatten, die heiligen Plätze.

„Äußerer Steinkreis“ und „Innerer Steinkreis“ eines keltischen Versammlungsplatzes, „Sitzender Hund“, „Phallus und Vulva“ „Heiliger Bezirk“, „Sphinx“, „Große Schale“.

Inschriften auf Tafeln erklären die Natur- und Steinformationen. Zwischendurch ein Blick auf den großen Peilstein. Die keltische Rune „MAN“ begleitete mich als Wegweiser. Die Rune „MAN“ bedeutet geistige Entwicklung.

„Wenn ich mit mir eins bin, wenn ich mich fühle, dann bin ich nie mehr einsam. Auch wenn ich allein bin“ (Alfried Längle)

Ja, nun war ich wieder völlig eins mit mir und der Natur und und wanderte durch diesen Wald, vorbei an mystischen Zeugen eines alten Volkes, das hier einst lebte. Als ich nach Stunden aus dem Wald in die Landschaft des Strudengau hinaustrat, erwartete mich ein christliches Wegkreuz unter einer mächtigen Ulme. Hier erreichte mich der Anruf meines Zimmervermieters, der mir ziemlich zerknirscht mitteilte, dass ich ausziehen müsse, da mein Zimmer bereits, ohne sein Wissen, seit längerer Zeit vergeben worden sei. Erfüllt von den wundervollen Eindrücken der letzten Stunden, hatte ich keine Lust mich aufzuregen und nahm es einfach zur Kenntnis. Im kühlen Baumschatten der Ulme – die Ulme ist nach dem Keltischen Baumkalender mein Geburtsbaum – überlegte ich und erinnerte mich an eine Hotelempfehlung meines Bruders. Es sollte hier ganz in der Nähe sein. Ein Blick auf mein Smartphone bestätigte mir dies und ich rief an. Bingo! Ein Zimmer für eine Nacht, in einem preisgünstigen und sehr empfehlenswerten Burghotel in Bad Kreuzen. Voller Freude über diese Fügung und über meine vertrauensvolle Gelassenheit, kam ich nach wenigen Kilometern zum Ausgangspunkt meiner Wanderung und checkte im Landhotel Yspertal aus. Als Wiedergutmachung schenkte mir der Hotelinhaber sogar die eine Nächtigung.

Das Leben liebt mich. Halleluja!

Nach einer kurzen Fahrt erreichte ich mein neues Ziel, hoch über dem Strudengau: Das Burghotel „Schatzkammer“ in Bad Kreuzen. Ein Zimmer mit Traumaussicht über das ganze Tal und die umliegenden Berge.

Im Burggarten gönnte ich mir den, nach meiner 5-stündigen Wanderung, schon heiß ersehnten Radler und machte meine schriftlichen Reise-Tagebuch-Eintragungen. Nach einem 3-gängigen Abendessen im burgtypischen Ambiente und sehr netter Bedienung, ließ ich den Abend auf meiner Zimmerterrasse ausklingen. Der fantastische Blick über das Tal und die beleuchtete Burg Clam gegenüber, die fast heilige Stille und die hereinbrechende Dämmerung, ergriffen mich zutiefst.

„Erst in der Stille nehme ich wahr, denke ich und erkenne“

Die Rückreise am nächsten Tag gestaltete sich ebenfalls erfreuend. Sie führte über Lunz am See. Hier wanderte ich mit meiner, dort urlaubenden Nichte, um den See und wir speisten in der Schlosstaverne frische Seefische mit gartenfrischem Gemüse garniert. Dazu einen sehr guten Veltliner. Nach Kaffee und Kuchen auf der Seeterrasse, machte ich mich auf den Heimweg über die Berge, vorbei am Erlaufsee und Mariazell. Gemütlich fahrend und mit guter Musik, genoss ich die schöne Landschaft und erreichte erfüllt mit schönen Eindrücken meinen Heimathafen.

Ich setzte meine Füße in die Luft und sie trug.                                    (Hilde Domin)

Zu den Büchern Rucksackgeschichten

Infos und Tipps:

Yspertal: Von Persenbeug biegt man in das Yspertal ein. Landhotel Yspertal in Ysper 1 *** www.landhotelyspertal.at +43 7415 7218

Ysperklamm und Druidenweg: Ausgangspunkt Forellenwirt am Ende des Yspertales. Ysperklamm 4 km (Auf- und Abstieg (Gehzeit 1,5-2 Stunden) (tw. anspruchsvoll Stufen und Stege)

Druidenweg: Ausgangspunkt Oberer Ausstieg Ysperklamm ca. 3 Stunden Gehzeit. Genug Wasser mitnehmen und Proviant. (leicht-mittel) Ysperklamm und Druidenweg insgesamt 11 km, ca. 4 Std. Gehzeit.

Hotel „Schatzkammer“ Burg Kreuzen. Von Persenbeug in Richtung Strudengau weiter in Richtung St. Nikola. Gut beschrieben. www.burg-kreuzen.at, Tel: 0680/245 63 14

Schlosstaverne Lunz am See. Seehof 2, 3293 Lunz am See. 07486/202 76

 

Warum ich so gerne allein reise

„Ich brauch Tapetenwechsel sprach die Birke und macht sich in der Dämmerung auf den Weg.“

Allein auf Reisen zu gehen, dazu noch als Frau, wird nach wie vor als „Sonderbar“ eingestuft und ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. Ja, ich bin Single und ja, ich wandere und reise am liebsten allein. Na und? Selbst in meinem näheren Umfeld stoße ich immer wieder auf Unverständnis und auf völlig überflüssige Kommentare wie: „Vielleicht lernst du da einmal jemanden kennen“. Zum wiederholten Mal und damit es endlich schriftlich festgehalten ist: Ich reise nicht allein, weil ich jemanden kennenlernen will und ich reise nicht allein, weil ich keine Begleitung habe. Ganz im Gegenteil. Ich mache mich sogar still und heimlich auf, um nicht in  Verlegenheit zu geraten, eine angebotene Reisebegleitung dankend ablehnen zu müssen.

Ich reise allein, weil ich es liebe und ich leidenschaftlich gerne allein reise. Punkt. Die meisten Menschen, vor allem Frauen die allein reisen, werden mir das bestätigen. Allein unterwegs zu sein heißt voll und ganz bei sich zu sein, sich unendlich frei zu fühlen, unabhängig zu sein, selbstbestimmt zu sein usw. usf. Man braucht keine Kompromisse eingehen, nicht über die Wahl des Lokals diskutieren, kann spontan ein anderes Tagesprogramm wählen, um 6 Uhr aufstehen ohne auf jemanden Rücksicht zu nehmen und dann um 21 Uhr schlafen gehen. Aber diese aufgezählten Gründe sind es nicht allein. Reist man allein, nimmt man die Umgebung viel intensiver wahr und man kommt mit Menschen leichter ins Gespräch. Man ist offener und findet relativ rasch neue Bekannte, um diese wieder ziehen zu lassen, wenn die Zeit gekommen ist. Man ist fern von allen Rollen des Alltags.

 Allein reisen heißt nicht einsam zu sein. Allein reisen heißt, die Welt in ihrer Vielfalt und Schönheit richtig gut wahrzunehmen und zu entdecken.

Ich mache keine großartigen Fernreisen oder Abenteuerreisen. Europa hat so viel zu bieten und es ist einigermaßen sicher. Sich einfach für ein paar Tage aufzumachen, sich in den Zug setzen, mit dem Ziel ans Meer zu fahren, ist schon ein kleines Abenteuer. So geht z.B. ein Zug täglich von Wien nach Ljubljana und von dort fährt die Karstbahn weiter nach Koper. Die Fahrt mit der Bahn durch den Karst ist etwas Einzigartiges. Die vielen kleinen slowenischen Orte, deren Namen wie eine Litanei klingen. Wenn dann der Zug am Karstrand hoch oben dahinpfeift und gegenüber die Sonne wie ein Feuerball untergeht, hat man plötzlich dieses besondere Gefühl, als würde die Welt einen Augenblick den Atem anhalten.

Das ist intensives, spürbares SEIN. Jedenfalls für mich. Kaum jemand schaut sich Koper an. Eine attraktive Küstenstadt mit einer malerischen Altstadt, die von einem Speckgürtel, bestehend aus Einkaufszentren und Industriehallen, umgeben ist. Hat man diesen hässlichen Außenring überwunden, findet man sich in der venezianisch geprägten Altstadt wieder. Das berühmte Caffe‘ Loggia Kavarner. Die Loggia ist aus dem 15. Jahrhundert und das Cafe‘ ladet mich ein, das Buch:“ Mein Karst“ von Scipio Slapater anzufangen, der mit anderen Denkern und Dichtern in diesem Cafe‘ Stammgast war.

Das ist es, was ich so am Alleinreisen liebe. Voll und ganz in die Geschichte, die Literatur und die Architektur eines Ortes einzutauchen. Meine BegleiterInnen sind Bücher, Biografien und Reiseliteratur.

Zugegeben, man ist einen ganzen Tag nach Koper mit der Bahn unterwegs und der realistische, moderne und gestresste Mensch, der Erholung sucht, sagt zu Recht, dass man bereits in 4 Stunden dort sein könnte. Aber es geht hier nicht um das Ziel, sondern um den Weg. Hier bekommt das Lao-Tse-Zitat „der Weg ist das Ziel“ eine nachvollziehbare Bedeutung. Es ist ein anderes Gefühl des Reisens. Sich langsam von daheim entfernen, um sich langsam dem Ziel anzunähern. Das Beobachten anderer Fahrgäste im Zug oder die Menschen in den Bahnhöfen und auf den Feldern. Landschaft und Gedanken verschmelzen plötzlich und unbemerkt.

Wenn du es ernst meinen solltest mit dem „Runterkommen“, dann mach dich auf Reisen, wie es schon Künstler und Dichter, wie z.B. Goethe einst taten. Letzterer klagte sogar, „dass die Kutsche zu schnell fahre und sein Geist mit dem Tempo nicht mithalten könne“.

Als Frau allein unterwegs habe ich natürlich ein Smartphone dabei und checke mir über das Internet mein Quartier. Diese durchaus frauenfreundlichen Erfindungen ermöglichen es mir, gute Quartiere zu guten Preisen zu bekommen. Ebenso ist es angebracht ein Navigationsapp zu haben und sich damit zurechtzufinden. Here Map hat sich gut bewährt und Google Map sowieso. Komme ich in der Nacht an, so nütze ich immer ein Taxi. Allein reisen heißt nicht, dass ich übermütig bin. Es heißt auch nicht, dass ich außergewöhnlichen Mut habe. Es heißt vielmehr achtsam zu sein und wachsam. Allein essen zu gehen wird auch von vielen gefürchtet. Ich persönlich suche mir die besten Lokale aus, weil ich ein Land auch über die Kulinarik kennenlernen will. Außerdem bin ich Genießerin. Selbstbewusst ein Lokal zu betreten und nach einem schönen Tisch zu verlangen, war für mich noch nie ein Problem. Ich habe nur gute Erfahrungen damit und mir wurde außerhalb von Österreich noch nie ein Tisch neben Klo, Küche oder Ausgang angeboten. Innerhalb von Österreich muss man sich als Frau manchmal behaupten, um sich Respekt zu verschaffen. Apropos‘ Respekt. Den habe ich mir spätestens dann erworben, wenn ich kundig ein 3-Gänge Menu‘ mit entsprechendem Wein bestellt habe.Ich schreibe auch auf Reisen und deshalb sind Schreibstift und Schreibheft ständig dabei. Und wenn ich nicht gerade meine Umgebung beobachte, schreibe oder lese ich zwischen den Gängen.

Sollte ich wirklich einmal das Bedürfnis haben, etwas mit anderen zu teilen, dann gibt es ja noch Facebook. Da ich eine Früh-Schlafengeherin bin, ziehe ich mich nach dem Abendessen bald  in mein Zimmer zurück und lese noch in meinem E-Book-Reader. Auch diese Erfindung ist genial auf Reisen. Man hat eine ganze Bibliothek dabei.

Leichtes Gepäck, ich reise nur mit Rucksack, ist sehr zu empfehlen. Nicht nur weil man die Hände frei hat, wenn man z.B. mit dem Navi durch die Stadt geht, sondern man ist als Backpackerin sofort Teil einer „Community“ und findet schneller Anschluss.

Bis bald!

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Verborgene Schätze in der Oststeiermark

Wenn ich wandere, da bin ich ganz ich. Da fühle ich eine ungelöste Einheit zwischen mir und den Bergen, Matten, Wäldern und Bächen, die um mich sind, eine Einheit, die mein Lebtag so war und sein muss, die meine volle Ganzheit ausmacht, in der ich mich ausfülle, kurz, in der ich bin – ich kann’s nicht anders sagen.“

(Peter Rosegger 1843-1918)

Wandern in der Oststeiermark

Ich sitze mit meinem Laptop vor meinem Büro in Rosegg bei Anger in der Sonne und surfe mit Glasfaser-Internet. Am Hang gegenüber schnauft dampfend und pfeifend die Feistristritztalbahn in Richtung Birkfeld. Diesen Geräuschen zuhörend, reise ich in meinen Gedanken 70 Jahre zurück.

Ende des Sommers 1946 fuhr eine frischgebackene Lehrerin mit der Feistritztalbahn von Weiz kommend, hier entlang nach Waisenegg, das an der damaligen Bahnstrecke zwischen Birkfeld nach Ratten lag. In eine vom Krieg schwer angeschlagene, ärmliche, vorwiegend von Bauern besiedelte Region. Die Schule in Waisenegg war im Krieg abgebrannt und die Lehrerin, meine spätere Mutter, musste zunächst in einer Notschule, die in einem Dachboden untergebracht war, unterrichten. Der Liebreiz der Landschaft auf 700 m Meereshöhe hatte die gebürtige Gleisdorferin bald in seinen Bann gezogen und die Liebe zu einem jungen Mann, meinem späteren Vater, tat das Übrige dazu, um ein ganzes Leben hier zu bleiben.

Meine Mutter ist inzwischen 91 Jahre alt und lebt noch immer glücklich hier im oberen Feistritztal in der Oststeiermark.

Der offizielle Betrieb der Feistritztalbahn wurde bald nach Ankunft der jungen Lehrerin eingestellt. Die Gleise zwischen Birkfeld und Ratten abgetragen und dieser Streckenabschnitt viele Jahre später in einen Rad-Wanderweg umfunktioniert. Einige wenige Idealisten gründeten einen Interessensverein. Damit konnte diese historisch wertvolle Schmalspurbahn als Bummel-Tourismuszug zwischen Weiz und Birkfeld weitergeführt werden.

Inzwischen ist die Feistritztalbahn eine nicht mehr wegzudenkende Tourismusattraktion, die jährlich viele BesucherInnen aus nah und fern anzieht.

Eine Fahrt mit der Feistritztalbahn kommt einer Zeitreise, die 100 Jahre zurückführt, gleich. Landschaftlich hat sich, aufgrund der topografischen Verhältnisse, kaum etwas verändert. Der Bahnhof Birkfeld ist noch derselbe wie zu Roseggers Zeiten. Durch das enge Feistritztal nach Anger kämpft sich die Dampflok mit ihren grünen Waggons durch Tunnels, über Viadukte und hält das erste Mal am Bahnhof Koglhof, am Fuße des Schlosses Frondsberg. Aber hin und wieder kann es durchaus vorkommen, dass sie auf der Strecke einen Zwischenstopp einlegt, weil ein Fahrgast sein Handy beim Fotografieren verloren hat. Dann suchen Schaffner und Gäste danach, bis das Verlorene unter großem „Hallo“ wiedergefunden wird.

Im Salonwagen werden regionale Produkte verkostet und mitunter spielt ein mitreisender Musikant auf seiner „Steirischen Knopfharmonika“.

Zeit bekommt eine neue Dimension bei einer Fahrt mit der Feistritztalbahn und diese kostbare Erfahrung kommt dem Gefühl nahe, man sei in einer Parallelwelt gelandet. Die Langsamkeit hat die Herrschaft übernommen, der Rauch, das durchdringende Geräusch, wenn Eisen auf Eisen trifft, das Pfeifen, wenn der Zugführer „Signal“ gibt, sind ihre Assistentinnen.

Die Menschen hier wissen um ihre schöne Heimat und nur wenige wollen weggehen. Um nicht weggehen zu müssen, haben sich viele Bauern umgestellt und betreiben Biodiversität. Nirgendwo in Österreich gibt es eine solche Dichte an gehobener Gastronomie.

Allein im Umkreis meines Wohnortes gibt es fünf HaubenköchInnen. Angeboten und verarbeitet wird, was die Bauern produzieren.Das hat der Oststeiermark den Ruf des „Gartens Österreichs“ eingebracht.

Touristisch ist die Oststeiermark nach wie vor ein Geheimtipp. Es ist ein Wanderparadies und eine Genussregion. Diese Landschaft wurde bereits von frühen Kulturen besiedelt. Kultplätze, Lochsteine und unterirdische Gänge zeugen noch heute davon.

Schluchten, Höhlen, Wiesen, Almen, Flüsse und Berge lassen das Wanderherz höher schlagen.

Vor 15 Jahren habe ich begonnen, die Oststeiermark zu erwandern und ich habe noch längst nicht alle Schätze entdeckt, die dieser Landstrich zwischen Feistritz und Raab, zwischen Teichalm und Wechsel, zwischen Joglland und Vulkanland zu bieten hat.

Ab 2017 werde ich meine Oststeiermark den Gästen, die zu uns kommen, gerne zeigen.

Mehr darüber: Wanderwoche 20.- 25. August 2017

 

 

Hinter dem Nebel

Es gibt im Leben Momente, in denen uns das Dasein plötzlich durchsichtig erscheint und wir das Gefühl haben, da ist mehr dahinter.

Wir sehen es nicht genau, aber wir fühlen es. So als würden wir durch ein Milchglas blicken und nur die Umrisse auf der anderen Seite wahrnehmen. Ein weiser Lehrer bezeichnete diese Momente als „durchgescheuerte Stellen“. Stellen, wo wir mit einer anderen Dimension – vielleicht dem Göttlichen – für einen kurzen Augenblick in Kontakt treten. So eine „durchgescheuerte Stelle“ erlebte ich in diesem Sommer.

Dieser Sommer wird für mich als der Sommer in Erinnerung bleiben, in dem mein Vater starb.

Das Schicksal wollte es, dass ich anfang dieses Sommers eine Gruppe von 18 Pilgerinnen und Pilger auf dem Jakobsweg durch das spanische Galizien bis nach Finisterre begleiten durfte. Dieser Pilgerweg, als Metapher für den Lebensweg, gab mir ausreichend Gelegenheit, mich mit dem Thema Leben, Sterben und Tod auseinanderzusetzen. Ich hatte mich vor meinem Aufbruch von meinem Vater verabschiedet, ihn aber gebeten auf mich zu warten. Er wartete. Die letzten Tage und Nächte verbrachte ich viel an seinem Sterbelager und ich ließ die gemeinsame Zeit an mir vorüberziehen. Alles war ausgesprochen und auch alles verziehen. Geblieben ist Dankbarkeit, Liebe und Zärtlichkeit.

In diesen Stunden stieg immer wieder ein wunderschönes Bild aus meinem Inneren auf. Der Sonnenuntergang am Kap Finisterre.

Die PilgerInnen meiner Gruppe und ich verstreuten uns über den Berg Monte Facho, hoch über dem Leuchttum. Von unseren Plätzen beobachteten wir   stundenlang die Natur und den Sonnenuntergang. Immer wieder hüllte der aufsteigende Nebel den Leuchtturm zur Gänze ein, so dass er völlig verschwand. Genauso plötzlich tauchte er wieder aus dem Nebel auf. Dieses Naturschauspiel drang tief und tröstlich in meine Seele und fand dort einen festen Platz.

Wieder zu Hause

An einem wunderschönen Sommernachmittag schlief mein Vater friedlich ein. Der Leuchtturm unserer Familie war im Nebel verschwunden. Nicht mehr für uns sichtbar und trotzdem da. Ein tröstlicher Gedanke.

Das Leben ist eine Pilgerreise

Brich auf, gehe los, lass das Alte hinter dir und schau nach vorn! Das Ziel, es ist noch weit entfernt. Du siehst es nicht, aber du spürst seine Kraft. Verheißungsvoll zieht es dich an und gibt dir die Kraft weiterzugehen.“ (Ingeborg B. Hofbauer Jakobsweg 2007)

 

Video über die Pilgerbegleiterin Ingeborg Berta Hofbauer

Pilgern! Mein Herz wird sofort berührt wenn ich dieses Wort höre und eine tiefe Sehnsucht ergreift mich.

Als ich 2007 zu meiner ersten Pilgerwanderung, von S. Jean Pied de Port am Fuße der Pyrenäen aufbrach, mit dem Ziel, 4 Wochen später in Santiago de Compostella zu sein, suchte ich weder Gott, noch hatte ich eine schwere Krankheit, noch war ich unglücklich. Mich trieb eine Sehnsucht, die ich nicht benennen konnte und äußere Umstände (eine Mongoleireise, die ich ursprünglich gebucht hatte, wurde abgesagt) führten dazu, dass ich die dafür reservierten Urlaubswochen dafür nützte, um  spontan auf den Jakobsweg  aufzubrechen.

Gott brauchte ich nicht zu suchen, denn in mir war bereits von Kindheit an, ein tiefes Vertrauen in eine göttliche Dimension eingepflanzt. Dieses Vertrauen half mir bereits am ersten Tag, wo ich allein bei Nebel und Regen über die Pyrenäen stapfte. Wie von unsichtbarer Hand geführt, erreichte ich wohlbehalten mein Ziel Roncevalles.

So glücklich und frei wie in diesen Wochen, war ich niemals zuvor in meinem Leben, sehr wohl aber viele Male danach. Das Pilgern wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens.

Der Pilger, die Pilgerin (lat.:peregrinatus=Fremder) heißt, als Fremde/r in der Fremde unterwegs sein.

Eine tiefe Verbundenheit und Betroffenheit spüre ich, wenn ich an die vielen Flüchtenden denke, die sich voller Hoffnung auf den Weg in die Fremde machen, um Schutz zu finden. Mir begegneten auf meinen vielen Pilgerwegen durchwegs positiv gesinnte Menschen, die mich herzlich willkommen hießen. Was ist der Unterschied zwischen mir und den vielen anderen Menschen, die derzeit nach Europa unterwegs sind? Ich vermute es ist der Umstand, dass ich meine Unterkunft bezahlen kann und am nächsten Tag wieder weiterziehe?

Das Pilgern ist meine persönliche Therapie, die ich regelmäßig in Anspruch nehme. Das Gehen in der Natur, vor allem auch im Wald (Tipp: Der Biophilia Effekt von Clemens G. Arvay) hat eine (messbar) heilende Wirkung auf mich.

Sobald ich merke, dass ich die Welt um mich herum nicht mehr aushalte, mache ich mich auf den Weg. Es ist auch das Ziel, das mir immer wieder die Kraft und Motivation gibt, aufzubrechen. Beim Pilgern wie auch im Leben.

Auf der Via Porta in Thüringen begegnete ich einem Paar aus Österreich. Ich erzählte begeistert und mit offenem Herzen von meinen Pilgerwegen. Die Frau machte folgende Bemerkung: “Jeder sammelt etwas, du also Pilgerwege“. Ich konnte darauf nichts erwidern, denn ich musste diesen Satz erst wirken lassen und darüber nachdenken.

„Nein“ ich sammle keine Pilgerwege weiß ich heute. Das ist im Sinne von haben wollen und ansammeln und das mündet meist in drückenden Ballast oder in Verpflichtungen. Ich suche nicht die Wege die ich gehe, die Wege finden mich. So auch die Via Porta, von deren Existenz ich, bis ein paar Monate vor meinen Aufbruch, nichts wusste.

Ebenso hat mich der Weg durch Slowenien, nach Triest ans Meer gefunden. Dazu hat mich meine Urgroßmutter Ernestine, die ich leider nie kennenlernen durfte, inspiriert. Als ledige Tochter einer slowenischen Dienstmagd im damaligen kaiserlichen Triest, wurde sie (1864) in einem Triestiner Krankenhaus geboren und in einem Kloster als Findelkind abgegeben. Sie wuchs in Skofja Loka auf und machte sich mit 20 Jahren (1884) mutig und allein auf den Weg in die Obersteiermark, um beim Bahnbau Arbeit zu finden. Eine schöne Geschichte. Doch welches Leid, welche Verletzungen und welche Demütigungen hinter diesem Mut gestanden hatten, bleibt der Phantasie überlassen. Ich konnte es leider nie in Erfahrung bringen. Unsere VorfahrInnen haben über diese Dinge geschwiegen oder wurden nicht danach gefragt.Ernestine fand nicht nur Arbeit, sondern auch meinen Urgroßvater und somit war mein Familienstammbaum begründet. Diesen Weg meiner Urgroßmutter, zu der ich eine tiefe seelische Verbindung spüre, wollte ich zurückgehen und fand tatsächlich eine Wegbeschreibung durch Slowenien nach Triest, vom Tiroler Autor Gerhard Pilgram.

Das Pilgern ist die beste Art die eigene Biografie aufzuarbeiten.

Beim Gehen steigen jene Themen aus dem Inneren hoch, die geheilt und wahrgenommen werden wollen. Es gibt Tage beim Pilgern, da heule ich stundenlang vor mich hin und fühle mich danach leicht und frei…und…geheilt. Doch nicht nur traurige Erinnerungen kommen hoch, sondern auch schöne und stärkende Geschichten werden wieder bewusst und können Wegweiser für die Zukunft sein.

Das Pilgern ist die beste Form der Reflexion.

Alle großen Veränderungen in meinem Leben, angenehme wie unangenehme, habe ich auf diese Art und Weise bewältigt und gelöst. Als ich mit 54 Jahren merkte wie sich mein Körper langsam veränderte und ich mich plötzlich mitten in den Wechseljahren wiederfand, geriet ich in Gefahr in eine depressive Phase abzugleiten. Ein Grund sich wiederum aufzumachen, mit dem Ziel, meinen inneren Frauen zu begegnen. Dem kleinen Mädchen, der jungen Frau, der reifen Frau und Mutter. Auf dieser Pilgerwanderung lernte ich die weise Frau in mir kennen und verliebte mich in sie.

Seitdem kann mich (frauenfeindliche) Werbung, die uns mit ihren Produkten ewige Jugend und Schönheit verspricht, nicht mehr verunsichern. Ich empfinde sie  verlogen und lächerlich.
Ich habe die starke weibliche Kraft in mir entdeckt. Niemals zuvor in meinem bisherigen Leben habe ich mich so unverletzlich und selbstbewusst gefühlt wie jetzt.

Ich  hege ich den Verdacht, dass diese o.e. Werbung darauf abzielt, uns dieser weiblichen Urkraft zu berauben. Die Werbung zielt darauf ab, uns Frauen von Produkten und künstlichen Schönheitsidealen abhängig zu machen und treibt uns dadurch in eine Konsumabhängigkeit.

Und während ich diesen Satz schreibe ruft mich aus Lugano in der Schweiz eine Telefonverkäuferin an und fragt welche Schönheitsprodukte ich verwende. Ich fasse es nicht. Kann das Zufalle sein?

Wir Frauen müssen auf der Hut sein und wir müssen lernen uns wieder unserer urweiblichen Kraft zu besinnen. Die Strategie der Kosmetikindustrie, Frauen schon ab jungen Jahren zu Junkees von Schönheitsmitteln und -operationen zu machen und ihnen bei Verweigerung zu vermitteln, dass sie erfolglos, hässlich und dadurch zu Menschen zweiter Klasse werden, ist diskriminierend und ist geradezu eine Verletzung unseres Menschenrechts.

Laut den Äußerungen eines Möchtegernpolitikers und Milliardärs sind wir nämlich auch Menschen

Ich färbe meine Haare seit meinem 54. Lebensjahr nicht mehr. Einige wenige Geschlechtsgenossinnen begegneten mir mit Kritik und Ablehung. Die Rückmeldung von anderen Frauen,wie sehr ich dadurch zu ihrem Vorbild geworden sei, ist mehr als ermutigend.

Beim Pilgern ist man vollkommen im „Hier und Jetzt“. Man bewegt sich in einer Parallelwelt. Wobei diese Parallelwelt viel intensiver und die Wahrnehmung viel schärfer ist, als  es im Alltag oft möglich ist.

Kürzlich sagte ein guter Freund: „Jeder findet seine Fluchtmöglichkeiten. Du beim Pilgern ich beim Malen.“ Ich musste nicht lange nachdenken, bis ich ihm antworten konnte:“Einspruch, das ist keine Flucht mein Lieber, das ist mein Leben. Ich bin Pilgerin nicht nur auf den vielen Wegen die ich gehe, sondern Pilgerin auf meinem  Lebensweg“.

Das was uns von Herzen erfüllt kann niemals Flucht sein, sondern es ist das, was uns bestimmt ist zu sein.Es ist das Bild, das Gott von uns hat und das ihm/ihr gefällt.

Businesstrip oder Pilgerreise?

Abschrift des Verlagsblogs Novumverlag

Proviant und Ballast aus ihrem eigenen Leben hat Novum Autorin Ingeborg Berta Hofbauer geschickt in ihrem Buch „Rucksackgeschichten” verpackt. Wer lernen will, wie Mut geht, wirft einen Blick in die Anleitung zur Mutkompetenz.

„Ich danke allen, die versucht haben, mich zu entmutigen, denn durch sie habe ich den Mut bekommen, meinen Weg zu gehen, meiner inneren Stimme zu vertrauen und mein Potenzial zu erkennen.“ Das Patent für das Wort „Mutkompetenz“ hat Ingeborg Berta Hofbauer mit ihrem Buch „Rucksackgeschichten“ erworben. Die Autorin schildert auf 148 Seiten, wie ihr der Brückenschlag von der Karrierefrau zur Pilgerin gelungen ist und wie man die innere Mitte findet, ohne dabei die Balance zu verlieren.
Um Frieden zwischen ihren, wie sie selbst sagt, „zwei Seelen“ stiften und unvereinbare Wünsche doch noch einen zu können, musste sie allerdings erst zwei spirituelle Pfade beschreiten – ihren Lebensweg und den Jakobsweg, vom Fuße der Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela. Was ihre Pilgerreise sie gelehrt hat, gibt die Unternehmensberaterin und Reisebegleiterin in ihrem Buch speziell jenen Lesern weiter, die ihren Weg schon gefunden haben, aber immer noch nach der Richtung fragen. In ihren Rucksackgeschichten teilt Hofbauer Alltagsballast, Reiseproviant aus dem Berufs- und Gepäck aus dem Freizeitleben mit Mitreiseanwärtern. Seite für Seite gewährt die novum Neuautorin Einblick in ihren Erfahrungsschatz und lehrt dabei nicht nur viel übers Annehmen, Loslassen, Anpacken und Glücklichsein, sondern auch über Skills, die helfen, Alltägliches zu meistern. Bezugnehmend auf Episoden aus ihrem eigenen Leben verrät sie so zum Beispiel, wie man mit den richtigen Kommunikations-, Verkaufs– und Vermarktungstricks an sein persönliches Ziel kommt und Träume verwirklicht. Rucksackübungen am Ende jedes Kapitels erheben den neuen Wissensfundus vom Theorie- in den Praxisstatus.

Wer zwischen den Zeilen liest, wird aber schnell erkennen, dass das neue Anwendungswissen wesentlich weiter reicht als nur bis zu Daily Routine Management Tools.

Indem Ingeborg Berta Hofbauer ihre Schüler anweist, ihre Träume statt in ein „Entweder-Oder“-Denken in ein „Sowohl-als-auch“-Schema zu betten, macht sie Mut zu neuen Denkmustern. Destruktiven Glaubenssätzen wie „Ich habe keine Zeit“ nimmt sie mit eloquenter Einfachheit den Schrecken:

„Bei näherer Betrachtung stellen wir fest, dass Zeit das einzige Gut ist, das gerecht verteilt ist. Jeder Mensch hat 24 Stunden pro Tag zur Verfügung. Somit ist der Glaubenssatz „Ich habe keine Zeit“ falsch. Eine gute Möglichkeit, sich selbst auf die Spur zu kommen, ist, das Wort „Zeit“ durch das Wort „Leben“ auszutauschen. Klar und ehrlich ist Ihre Aussage, wenn Sie formulieren: „Ich habe keine Zeit für…“ Damit signalisieren Sie deutlich, dass Sie andere Prioritäten haben, und um diese geht es letztendlich.“

Ihr Wissen über den Wert von Zeit, Tempo und Entschleunigung, das sie unter anderem auf ihren Pilgerreisen erlangt hat, fließt auch in die dazu passende Rucksackübung ein, die Sie am besten gleich selbst in der Praxis testen:
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„Die Dyade oder der Tiefendialog“

Schreiben sie die folgenden Sätze auf zwei Zettel. Einen davon geben Sie Ihrem Partner.
• „Sag, für wen oder was in deinem Leben möchtest du mehr Zeit?“ „Danke!“
• „Sag, wer oder was hindert dich daran, diese Zeit zu finden?“ „Danke!“
• „Sag, was musst du tun, um diese Hindernisse zu überwinden?“ „Danke!“
• „Sag, welche Entscheidungen musst du dafür treffen?“ „Danke!“
Spielregel:
Suchen Sie einen ungestörten Platz oder gehen Sie spazieren. Lesen Sie den ersten Satz vor und lassen Sie den Anderen ungestört sprechen. Unterbrechen Sie nicht, sondern hören Sie schweigend zu. Ihr Partner gibt Ihnen ein Zeichen, dass er fertig ist. Daraufhin sagen Sie „Danke“ und lesen den nächsten Satz vor, hören zu und nachdem Ihr Partner fertig ist, sagen Sie wieder „Danke“ und lesen den dritten, dann den vierten Satz vor. Sind Sie mit allen vier Sätzen durch, tauschen Sie die Rollen. Nun sind Sie an der Reihe zu antworten und Ihr Partner liest die Sätze vor. Sobald Sie den ersten Durchgang beendet haben, tauschen Sie wieder die Rollen und wiederholen Sie denselben Vorgang noch zwei weitere Male. Jeder von Ihnen geht dreimal komplett die gesamte Übung durch.
Sie werden sehen, wie umfangreich man ein Thema auf diese Weise beleuchten kann und zu welchen tiefen Erkenntnissen man kommt.
Diese Übung können Sie zu jedem beliebigen Thema machen, wenn Sie die Fragestellung nach dem obigen Muster konstruieren.
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Noch mehr Übungen, die Mut zum Zuhören, zur Offenheit, zum Sich-Ausprobieren – kurzum: zum Leben – machen, finden Sie in Ingeborg Berta Hofbauers Buch „Rucksackgeschichten“.

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