Tag: reduktion

Übergänge – Impressionen einer Pilgerwanderung

Pilger, hörst du den Ruf….

Wieder hatte mich der Ruf erreicht und ich breche auf zu einer Pilgerwanderung. Für mich heißt, zu einer Pilgerwanderung aufzubrechen, nicht wandern zu gehen, sondern mich auf einen spirituellen Weg zu machen, um mir selbst zu begegnen. Mir selbst und Gott. Das ist mein tieferes Verständnis von Pilgern. Pilgern als Metapher für den Lebensweg. Peregrinus – aus dem Lateinischen – bedeutet Fremder in der  Fremde.

Diesmal bin ich keine Fremde, sondern Einheimische. Ich pilgere den Heilbrunnweg in der Oststeiermark in meiner Heimat.

Mein Pilgerstab ist aus Ulmenholz:  Ich bin nach dem keltischen Baumkreis eine Ulme. Dieser Pilgerstab ist das sichtbare Zeichen, dass ich nicht Wanderin sondern Pilgerin bin.

Der Weg: Ein neu geschaffener Pilgerweg, rund um ein Heiligtum, ganz in der Nähe meines Wohnortes: „Maria Heimsuchung“ in Heilbrunn

Der Wegweiser: Ein blauer Wassertropfen

„Übergänge im Leben“ ist mein Thema auf diesem Pilgerweg.

„Ein Übergang ist jener Ort, an dem der Wald die Wiese ruft und die Wiese dem Wald antwortet.“

(Aus dem Buch „Der unendliche Augenblick“ von Natalie Knapp)

Als Pilgerin bin ich nun schon 57 Jahre auf dieser Erde unterwegs und habe schon einige Metamorphosen durchgestanden.Den „Übergängen in meinem Leben“ spüre ich auf diesem Weg nach und die Natur ist meine Impulsgeberin.

Ich starte beim Hotel-Gasthof Bauernhofer auf der Brandlucken und gehe, vorbei am Kornreitherhaus, zur kleinen Kapelle. Immer den blauen Wassertropfen folgend, führt der Weg durch den Wald, parallel zur Landstraße. Ich achte auf den „Übergang“ zwischen der Schnelligkeit der vorbeifahrenden Autos und der Langsamkeit meines Ganges im Rhythmus meines Herzschlages.

 

Übergänge: Stille und Lärm  – Natur und Technik – Vegetation und Asphalt – Langsamkeit und Schnelligkeit – Himmel und Erde.

Der Heilbrunnweg hat eine Überraschung bereit. Bei den einzelnen Stationen, die an besonderes schönen Plätzen installiert wurden, erwarten mich spirituelle Impulse. Digital kann man sich den jeweiligen Impuls über einen QR Code auf das Handy laden. Eine angenehme Männerstimme rezidiert einen Text.

Eine schöne Idee und eine Möglichkeit abzuschalten, den Gedanken eine andere Beschäftigung zu geben und sie vom Alltag abzulenken.

Auf einer Bank sitzend, betrachte ich die Landschaft und gehe in Dialog mit meiner inneren Landschaft.

 

Die Straße ist bis zu dieser Stelle noch immer präsent. Auch das ist eine gute Metapher zum Thema „Übergang“. Das langsame Lösen von der Hektik hin zur Stille. Ab der zweiten Station führt der Weg, vorbei an einer Kapelle, in die Natur.

Kühe lagern mitten auf dem Weg. Mich beschleicht Angst, denn ich hatte als Kind ein sehr schlimmes Erlebnis mit einer Kuh.

Der Übergang von der Angst zum Mut.

Fest nehme ich meinen Pilgerstab in die Hand und gehe sicheren Schrittes an den Kühen vorbei. 2 Kalbinnen stehen auf, als würden sie mir die Ehre erweisen. Neugierig schauen sie mich an und lassen mich unbehelligt vorbeiziehen.

An einem Brunntrog verweile ich abermals und kann von hier die Wallfahrtskirche: „Maria Heimsuchung“ im Ort Heilbrunn sehen.

 

Zum Mittagsleuten ziehe ich auf dem Kirchplatz ein und erfrische mich am heilenden Wasser des Brunnens. In der Kirche möchte ich eine Kerze anzünden und etwas spenden. Da bemerke ich, dass ich meine Geldtasche im Auto liegengelassen hatte. Anfangs verärgert, weil ich vor der Weiterwanderung zum Mittagessen beim Gasthof Bratl einkehren wollte, muß ich wohl oder übel hungrig weiterwandern. Ein Themenweg, von Kindern gestaltet, erwartet mich gleich hinter dem Gasthof Bratl. Bunte Ikonen säumen den Weg.

Den blauen Wassertropfen folgend, gehe ich still von Station zu Station, von einem digitalen Impuls zum nächsten. Der Akku meines Handys ist schon fast leer. Digitale Kontemplation. Warum nicht?

Und immer wieder begegne ich dem Thema „Übergang“.

„Wo der Wald die Wiese ruft und die Wiese dem Wald antwortet“

Wieder beim Auto angekommen merke ich, dass ich die ganze Zeit meine Geldbörse im Rucksack hatte. Es war ein Geschenk es nicht gefunden zu haben und ich dadurch meinen Weg nicht unterbrochen hatte. Bei der Rückfahrt hole ich in der Kirche und im Gasthof Bratl zufrieden das Versäumte nach.

Mein Tipp: Diesen Weg sollte man alleine gehen.

 

https://www.bergfex.at/sommer/steiermark/touren/wanderung/128221,heilbrunnweg/

http://www.hbweg.at/de/index.html

http://www.heilbrunnweg.at/

Zu meinen Büchern „Rucksackgeschichten“

 

 

Der Wunsch nach Freiheit und deren Attribute

Kennen Sie das auch? Diese Sehnsucht, sich von Altlasten befreien zu wollen, Ballast abzuwerfen, Gerümpel loszuwerden und Freiräume zu schaffen für neues im Leben?

Wer einmal seine Wohnung gründlich entrümpelt hat weiß, wie befreiend das sein kann. Platz schaffen für neue Dinge oder einfach Platz schaffen für GAR NICHTS.

http://www.foto-MAXL.at

http://www.foto-MAXL.at

Milieustudien zeigen, dass sich viele unterschiedliche gesellschaftliche Schichten bilden. Als Beispiel nenne ich hier LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) und LUXAS (Luxusasketen)

Während sich LOHAS einem gesunden und nachhaltigen Lebensstil verschrieben haben und in ihrem Konsumverhalten darauf achten, sind LUXAS jene, die Geld  für Dinge ausgeben, die ihren Ansprüchen nach Luxus gerecht werden. Beiden ist gemeinsam, dass sie eher zur besser verdienenden Bevölkerungsschicht gehören.

Während LOHAS bei der Geldausgabe Fokus im Nahrungs- und Bekleidungssektor setzen, lieben LUXAS Dinge, welche die eigene Persönlichkeit unterstreichen und ihren individuellen Sinn für Ästhetik hervorheben.

LUXAS definieren Luxus im Zusammenhang mit ihrer eigenen Persönlichkeit entsprechend individuell, unabhängig davon was gerade in Mode ist oder welche allgemein anerkannten Vorstellungen über Lifestyle vorherrschen. Es ist der Wunsch nach einer unverwechselbaren Identität, die antreibt, aber auch eine gewisse Sehnsucht nach Freiheit.

Freiheit als das Luxusgut und wer sich dieses Gut leisten kann, ist bei den Privilegierten „angekommen“.

Freiheit als Gut?

Warum, hier als Beispiel genannt, machen sich immer mehr Menschen zu einer Pilgerreise auf? Für ein paar Wochen Freiheit werden körperliche Strapazen und andere Unbequemlichkeiten in Kauf genommen. Urlaub in der Klosterzelle oder auf einer Berghütte, ohne Strom und jeglichem Komfort. Das sind die Güter, mit denen Freiheit assoziiert werden. Freiheit finden in der Reduktion auf das Wesentliche, in der Rückbesinnung auf die einfachsten Dinge im Leben.

Es ist genug!

Die Übererfüllung all unserer Bedürfnisse, dieser Überfluss haben uns das wertvolle Gefühl hungrig zu sein geraubt. Haben uns die Begierde nach etwas genommen. Schon meine Oma sagte:“ Wenn du jeden Tag Schnitzel ist, dann schmeckt es dir am Sonntag nicht mehr!“ Nur ein hungriger Geist ist ein kreativer Geist, so der Hirnforscher Ernst Pöppel.

Reduktion leben!

Unsere Häuser haben Räume für wohnen, kochen, essen, schlafen, spielen, arbeiten und stauen. An dieser Raumgestaltung hat sich in den letzten 100 Jahren nicht viel geändert. Vielleicht, dass ein großer Raum für mehrere Zwecke herhalten muss, die Idee dahinter ist jedoch dieselbe. Diese Räume sind ihrem Verwendungszweck entsprechend, mit Requisiten gefüllt.

Leer-Raum!

Um sich von den Milliarden Informationen, die täglich auf uns einprasseln zu erholen, um sich auch der Verschmutzung durch Lärm und Licht zu entziehen, braucht die Wohnung der Zukunft einen LEER-RAUM und einen RAUM DER STILLE.

http://www.foto-MAXL.at

http://www.foto-MAXL.at

Kreativität ist nur möglich wenn die Gedanken, ohne abgelenkt zu werden, fließen können. Den Gedanken sprichwörtlich einen freien Raum geben. Ein freier Raum, wo der Mensch im Zentrum steht, sitzt, liegt, tanzt, geht, vielleicht auf dem Kopf steht. In dieser kompromisslosen Gesellschaft mit sich selbst, muss man sich den eigenen Gedanken stellen, ihnen RAUM geben, damit sie FORM annehmen können. DAS KANN ANGST MACHEN UND GLEICHZEITIG BEFREIEN

poster-stille-signs-by-jwala-0721

Um auf  die LUXAS zurückzukommen. Sie werden die ersten sein, die sich einen Leer-Raum leisten oder/und einen Raum der Stille. Sie sind Ästheten.

http://www.foto-MAXL.at

http://www.foto-MAXL.at

(Ästhetik die Lehre von den schönen Dingen)

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén