Mitte August, nach einem eher ruhigen und beschaulichen Sommer im eigenen Garten, spürte ich innerlich den Ruf:

Brich auf Pilgerin, mach dich auf den Weg.“

Der, vor ein paar Jahren vom Dermatologen Johannes Neuhofer initiierte Johannesweg im Mühlviertel, war mein Ziel. 84 Kilometer in vier Tagen, erschienen mir ideal für mein Vorhaben. Das Buchen der Unterkünfte war kein leichtes Unterfangen. Viele waren ausgebucht, andere hatten Ruhetag (trotz Hochsaison) aber letztendlich schaffte ich es, die passenden Unterkünfte nach jeder Tagesetappe zu finden.

Die Aufbereitung des Johannesweges verdient größtes Lob. Das eigens dafür entwickelte App, mit allen notwendigen Informationen, reicht vollkommen aus. Wer das nicht will, kann über die Homepage Karte, Pilgerpass, Unterlagen über Unterkünfte und Prospekte anfordern. Doch es braucht im Grunde keine Karte und keine Wegbeschreibung für die Wanderung selbst. Der Weg ist außerordentlich gut markiert. Die zwölf Stationen, die im Buch „Der Johannesweg – So finden Sie zu Einkehr und Zufriedenheit“ von Johannes Neuhofer, auf humorvolle und auch tiefgründige Art und Weise beschrieben sind, laden ein zu Kontemplation und Innehalten.

Über das App am Smartphone, hat man die Möglichkeit das Erreichen der Stationen elektronisch zu bestätigen. Am Ende des Weges und mit dem Nachweis der bestätigten Stationen oder des abgestempelten Pilgerpasses, wird man mit einer „Johannesweg-Nadel“, in Form einer Lilie belohnt.

Liebevolle Motivatoren wer das haben möchte, gleichwohl das Begehen des mitunter recht anstrengenden Weges letztendlich bei der Pilgerin und dem Pilger bleibt.

Der Johannesweg ist nach Johannes dem Täufer benannt und hat damit einen starken religiösen und spirituellen Hintergrund. Der Gedenktag für die Geburt ist der 24. Juni, der Gedenktag für die Enthauptung ist der 29. August. Meine Pilgerwanderung führte über vier Tage, vom 25. bis 29. August.

Zeichnet man den Verlauf des Johannesweges auf der Karte nach, gleicht dieser der Form einer Lilie. Die symbolische Bedeutung der Lilie ist mannigfaltig. Sie steht für Liebenswürdigkeit, Reinheit, Liebe, Fruchtbarkeit, Weiblichkeit, Einheit und Vergänglichkeit.

Ich habe mir diesmal vorgenommen, weniger nach innen zu schauen bzw. zu hören, wie man es gerne und üblicherweise auf einer Pilgerwanderung macht.Vielmehr wollte ich die Natur und alles um mich herum intensiv wahrnehmen und ganz bewusst auf die Schönheit der Welt achten, meine Sinne schärfen, hören, riechen, sehen, schmecken und fühlen.

Die Symbolik der Lilie begegnete mir überall in der Natur und der Landschaft des Mühlviertels, auch in den wenigen direkten Begegnungen mit Menschen.Die Wegführung wurde gut gewählt. Der Pilgerweg führt zum Großteil auf Wald, Wiesen und Naturpfaden. Ganz wenig Asphalt und dies hauptsächlich auf Nebenstraßen mit wenig Verkehr. Man findet viele spirituelle Orte zum Innehalten, wie Dorfkirchen, kleine Kapellen und Marterl. Sie alle stehen einladend offen und man kann seine Gedanken, in die dafür bereitliegenden Gästebücher eintragen. Aber auch die Natur hat Kraftplätze zum Innehalten parat. Beeindruckend und faszinierend die mächtigen Steinfindlinge, die einem Ehrfurcht und Respekt einflößen, wenn man so allein an ihnen vorbeigeht.

Manche von ihnen kann man über Sicherungsseile besteigen und wird mit einer herrlichen Aussicht auf die Mühlviertler Alm belohnt. Auch ein Zwischenstopp und Rundgang auf der Ruine Prandegg lohnt sich. Die Taverne und das Museum sollte man auf keinen Fall versäumen. Nicht nur deshalb, weil man dort einen Stempel abholen kann, sondern es stehen Schlafkojen bereit, wer das Schlafen im Lager mag. Ich selbst ziehe Einzelzimmer vor.

Ganz schön herausfordernd die vielen Höhenmeter mit dem schweren Rucksack. Neun Kilogramm inklusive Wasser. 2800 Höhenmeter auf 84 Kilometer, da muss man 1 ½ bis 2 Liter Wasser pro Tagesetappe unbedingt dabeihaben. Es kann durchaus vorkommen, dass man vor verschlossenen Gasthäusern steht. Besonders zu Wochenbeginn. Ich verstehe immer noch nicht, warum alle Gasthäuser in Österreich an den gleichen Tagen ihren Ruhetag haben und sich dahingehend im selben Ort nicht absprechen.

Mein Tipp: Montag und Dienstag sollte man seine Verpflegung dabeihaben, wenn man wandernd auf dem Johannesweg unterwegs ist.

Was mir besonders gefallen hat, waren die wunderschönen, zum Teil neu restaurierten Bauernhöfe. Mächtige Vierkanthöfe, die in der Steiermark, wo eher die Haufenhöfe beheimatet sind, eher selten vorkommen.Viele davon Bio-Bauernhöfe mit Gästezimmer. Es lohnt sich wirklich in so einem Bio-Bauernhof zu übernachten. Meine erste Nacht verbrachte ich beim Kriechbaumerhof in Pehersdorf.Ein gesundes vegetarisches Abendessen aus dem hofeigenen Garten, dazu ein Glas Most von den Bioäpfeln, ein schönes Zimmer und ein reichhaltiges Frühstück sind alles, was eine Pilgerin braucht, um für die nächste Tagesetappe gestärkt zu sein.

Am dritten Tag stieg ich hinauf zum Kammererberg mit dem Kirchlein am höchsten Punkt.

Auf dem Weg dorthin, passierte ich den Biohof Thauerböck. Ein „Schnapspavillon“ zur freien Schnapsverkostung und der Hofladen machten mich neugierig. Die Seniorbäuerin hatte gerade frische Zimtschnecken aus dem Ofen geholt und lud mich zu Kaffee und den herrlich schmeckenden, frischen Zimtschnecken ein.

Der Hofladen ist nicht nur innenarchitektonisch, sondern auch kulinarisch ein Schmankerl. Viele außergewöhnliche Schnäpse aus eigener Produktion, Kräutertees aus der Region, Würste und Speck von den eigenen Wollschweinen und was mich am meisten faszinierte, selbst erzeugte Produkte aus Pechöl, sowie einiges andere mehr waren hier zu finden.

Das Pechöl. Auf meiner Wanderung begegneten mir einige Wegweiser, die zu den sogenannten Pechsteinen führten. Bis zum Thauerböckhof konnte ich mir nicht so richtig vorstellen, was es damit auf sich hatte. Der Jungbauer, ein studierter Agrarier, seine Frau eine Marketingexpertin, ließen diese uralte Tradition der Erzeugung wieder aufleben und begeistert stand ich vor den drei Pechsteinen hinter dem Haus, wo das Pechöl produziert wird.

Ich kaufte ordentlich ein und ließ mir das Paket nach Hause schicken. Eine Dose mit der Salbe vom Pechöl, war sicher verstaut im Rucksack. Sie wird mir noch gute Dienste leisten auf meiner Wanderung.

Dieser Tag war anstrengend und das Auf und Ab besonders belastend, da es richtig heiß wurde. Die Schmerzen an den Füßen verhießen nichts Gutes und bei einer weiteren Rast, nachdem ich die Schuhe und Socken ausgezogen hatte, trat die Ursache, in Form von richtig schönen Blasen ans Licht. Da ich bislang niemals Blasen beim Wandern hatte, war ich auch sehr dürftig dafür ausgestattet und nach mehrmaliger Erneuerung der Pflaster, gingen mir diese entgültig aus. Aufgrund der argen Schmerzen beim Gehen, gab ich für diesen Tag auf und rief mir für die letzten Kilometer nach Königswiesen ein Taxi. Das App auf meinem Smartphone hat alle Taxidienste gespeichert und es funktionierte wunderbar. Im Karlingerhof entspannte ich mich im Hallenbad und pflegte meine Blasen mit der mitgebrachten Pechölsalbe. Danach spazierte ich in den Ort, um die gotische Marien-Wallfahrtskirche, mit ihren berühmten Schlingrippengewölbe zu besichtigen.

Mein Tipp: Falls man keine Zimmer auf der Wegstrecke findet oder wenn man mit leichtem Gepäck wandern möchte, kann man sich in einem Hotel in Königwiesen einmieten und den Shuttledienst zu den Tagesetappen und zurück in Anspruch nehmen.Näheres auf der Homepage.

Gut ausgeruht und welch Wunder, die Blasen waren dank Pechölsalbe fast verheilt, startete ich in den letzten Tag meiner Pilgerwanderung. Das reichhaltige Frühstück, das auch ein Lunchpaket für die Wanderung beinhaltete, nahm ich in der lustigen Gesellschaft zweier Pilgerinnen ein. Doch ich wollte auch an diesem Tag alleine wandern und so brach ich bald auf. Der letzte Tag führte wieder durch traumhafte Landschaften, Wälder, Flusstäler und hatte einen letzten Aufstieg auf die Burg Ruttenstein für mich bereit.

Es fing an zu regnen und ich machte kurz Rast in der Taverne, wo ich mich bei einem herrlich schmeckenden warmen Topfenstrudel mit Vanilleeis stärkte. Außer mir saß eine weitere Solopilgerin in der Hütte und wir tauschten einander aus.Eine Stunde Abstieg und ein wunderschöner Pfad entlang des Flusses Naarn führten mich nach Pierbach zu meinem Ziel.

Die Pilgerwanderung ließ ich im Hotel Schatzkammer auf der Burg Bad Kreuzen mit einem Saunagang und einem schönen Abendessen ausklingen. Am nächsten Tag, beim Heimfahren, besichtigte ich die wirklich intressante Ausstellung „Byzanz und der Westen“ auf der Schallerburg.

Infos:

www.johannesweg.at

www.muehlviertleralm.at