Auf einer meiner Wanderungen denke ich über meine nächste Kolumne für „Mitten im Leben“  (Rheinzeitung) nach. Da das Gehen bekanntlich den Geist in Bewegung bringt, philosophiere ich gehend über das Thema „Mitte“.

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Gehend philosophieren! Ein Luxus, den viele Literaten, Philosophen, Künstler und anderes „nichtsnutziges“ Volk bereits seit Jahrhunderten gerne praktizieren. Zurück zum Thema: Was heißt „die Mitte finden“? Eine Aussage, abgedroschen wie ein alter Schlager, esoterisch missbraucht und zum Glaubenssatz verkommen? Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich im Grunde nicht die geringste Ahnung, was es heißt, „die Mitte gefunden zu haben“.

Ich bin manchmal außer mir und im besten Fall bei mir, aber wie und woran erkenne ich, dass ich in meiner Mitte bin?

Spürt man die Mitte, wenn man sie gefunden hat? Und wo ist meine Mitte? Im Bauch, im Herzen oder vielleicht doch im Kopf? Da kann ich mit dem Ausdruck „das rechte Maß oder maßhalten“ schon viel mehr anfangen. Ob beim Essen und Trinken, beim Wandern, beim Sport, beim Konsumieren, beim Feiern und vor allem bei der Arbeit. An dieser Stelle möchte auf die große Mystikerin Tereza von Avila verweisen, die das rechte Maß in klare Worte fasste.

„Maß halten und Spaß haben“. Oder: „Wenn Rebhuhn dann Rebhuhn, wenn fasten dann fasten“.(T.v.Avila)

Nach einer anstrengenden Wanderung ist die Stärkung des Leibes durch Speis und Trank ein Hochgenuss für mich. In diesen Momenten kann ich durchaus im Brustton der Überzeugung sagen: „Jetzt bin ich in meiner Mitte.“ Deshalb schließe ich mit den Worten von Tereza von Avila:

„Tu deinem Leib des Öfteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen“.

 

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